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Mag. Josef Pletzer


Pfarrzentrum Neualm

BERICHT: Gott liebt uns zuerst

"Schließen wir nicht Menschen aus, obwohl sich Jesus diesen Menschen zuwenden würde?"; Josef Pletzer setzt in seinem Vortrag auch seine Finger in die Wunden des Christentums.

Nach der schnellen Zusage für den Vortrag an diesem Abend kam nach dem ersten Auseinandersetzen mit dem Thema der Schrecken und die Frage „worauf hast du dich da eingelassen“, so beginnt ein bestens vorbereiteter Josef Pletzer den 3. Vortrag in der diesjährigen Reihe.

Sein Vortrag soll ein Versuch sein, die Größe und Unbegreiflichkeit Gottes etwas näher zu bringen, ein wahrlich nicht einfaches Unterfangen. Dass wir erkennen, dass Jesus Gottes Sohn ist, das ist so einfach nicht – schon gar nicht für so manche andere Religionen. Warum diese Kernaussage des Christentums, dass Christus Gottes Sohn ist, dem wollte Josef Pletzer an diesem Abend näher kommen.

Jedes der 4 Evangelien geht auf eine andere Art darauf ein, dass Jesus der Sohn Gottes ist. In dem Satz „Jesus ist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ ist eine der wichtigsten Kernaussagen des Christentums auf den Punkt gebracht.

Die Geburt Jesu dürfte sich 4 Jahre vor Christus tatsächlich abgespielt haben; das Jahr Null stimmt nicht, da sich in der Berechung ein Fehler eingeschlichen hat. Nach der Überlieferung lebte Jesus in Nazareth als Bauhandwerker bzw. Zimmermann. Der Grund der Hinrichtung Jesu lag den Geschichtsforschen zufolge in der Zuspitzung des Konfliktes mit der damaligen Priesterhierarchie. Das Bild der „Tempelreinigung“ erzählt diesen Konflikt in der Bibel in allen 4 Evangelien. Der Hohe Rat hatte damals nicht das Recht, Jesus zu Tode zu verurteilen, deshalb erfolgte die Auslieferung an Pontius Pilatus, der ihn als „Messiasanwärter“ kreuzigen ließ. Quellen über diesen Jesus und die ersten Christen sind biblische und nichtchristliche Schriften.

Jesus war Jude und es gibt kein Anzeichen, dass er eine neue Religion gründen wollte. Das Volk Israel war in Ägypten in Gefangenschaft und sein Gott hat dieses Volk in die Freiheit geführt. Dieser Weg in die Freiheit war ein Weg, bei dem die Menschen gar nicht so begeistert waren. Dieses Vertrauen den Weg zu gehen wird auch in Folge immer wieder in Frage gestellt. Doch Gott steht diesem Volk immer wieder bei, er ist den Menschen nahe und führt sie in die Freiheit. Das ist eine Herausforderung für alle. Das Heil ist nicht in der Zukunft zu suchen, Jesus sagt, dieses Heil und Reich Gottes ist jetzt und hier angebrochen. Johannes tauft in Erwartung eines neuen Gerichtes und ruft die Menschen zur Umkehr zu Gott.

Gott schenkt Heil, dies verkündet er den Menschen und ruft die Menschen zur Umkehr auf. Das „Reich Gottes“ meint ein Bild als „König“ als einen Herrscher, der sich um sein Volk kümmert; nicht im Sinne von Unterdrückung und Machtmissbrauch. Das Reich Gottes ist die liebende Zuwendung Gottes zu den Menschen. Dies wird in Jesus offenbar und erfahrbar. In Jesus wird sichtbar, dass Gott die Not der Menschen wendet. Jesus wendet sich an die Benachteiligten und Ausgegrenzten. Wenn Jesus zur Umkehr aufruft, begründet er dies damit, dass Gott mit seiner Liebe uns zuvorgekommen ist. Die Umkehr ist demnach die Annahme der Liebe Gottes, ein Geschenk als eine Gabe von Gott. Umkehr ist das sich einlassen auf die unbedingte Gnade des verzeihenden Gottes. Wir müssen nicht zuerst etwas machen, etwas leisten, dass Gott uns vergibt! Gott vergibt uns zuerst und aufgrund er Erfahrung mit der Liebe Gottes sollen wir umkehren und uns Gotte neu zuwenden. Menschen stellen oft Bedingungen um geliebt zu werden. Bei Gott ist das anders, er stellt keine Bedingungen. Gott mag uns, so wie wir sind und liebt uns bedingungslos. Sinngemäß sagt Pletzer den Taufeltern auch immer beim Taufgespräch, dass es wichtig ist den Kindern zu sagen, dass man sie „mag“, so wie sie sind. Selbst wenn die Kinder etwas anstellen, soll man den Kindern sagen, dass man sie mag; aber natürlich auch, dass das, was sie getan haben nicht in Ordnung war.

Auch im Gleichnis des verlorenen Sohnes oder der Heilung des Gelähmten wird das Beispiel des liebenden Gottes trotz allem Versagen deutlich, Jesus liebt uns Menschen trotz all unserer Schwächen. Jesus wird hier in voller Autorität Gottes bezeugt. Jesus wischt nicht alle Lasten weg, die wir im Leben zu tragen haben, aber auch: Jesus geht mit uns. Die Wunder sind Zeichen der anbrechenden Herrschaft Gottes aber nicht Beweis für seine Legitimität seiner Verkündigung. Im Mittelpunkt steht das „sich Gott anvertrauen“ und nicht das Wunder.

Jesus geriet durch seinen Anspruch im Namen Gottes zu sprechen in den Konflikt mit der damaligen religiösen Hierarchie. Er verkündigte die uneingeschränkte Rettung aller Menschen, auch der Sünder. Jesus ist für alle Menschen am Kreuz gestorben. Die Liebe und Zuwendung Gottes braucht man sich nicht zu kaufen und kann man sich nicht verdienen: Gott liebt uns zuerst.

Es stellt sich die Frage nachdem Jesus am Kreuz gestorben ist: Sprach Jesus wirklich die Botschaft Gottes? Erst die Auferstehung löst dann eine Wende bei seinen Jüngern aus, sie bezeugen Jesus als Gott den Auferstandenen, versammeln sich und machen deutlich, hier war wirklich das Wirken Gottes am Werk. Jesus zeigt seine Güte, indem er den Sündern, den Ausgegrenzten durch seine Mahlgemeinschaft sich zuwendet und dadurch einen befreienden Umgang mit dem Gesetz zeigt. „Das Gesetz sagt ..., ich aber sage Euch ...“ so spricht Jesus immer wieder vom richtigen Umgang mit den Gesetzen. Grundlage für die nachösterliche Kirche, Jesus als Gottes Sohn zu bezeichnen, ist die intime Gottesbeziehung, schließt aber die anderen Vaterbeziehungen nicht aus. Jesus sagt ja „mein Vater“ und „Euer Vater“, d.h. auch wir sind von dieser „Vaterbeziehung“ zu Gott nicht ausgeschlossen.

Jesus hat in seinem Handeln und Verkünden die Liebe Gottes bezeugt und vermittelt. In seinem Verkündigen und Handeln hat er beansprucht, das endgültige Heil zu bringen. Das was Jesus vor seiner Auferstehung verkündet und wie er gehandelt hat, zeigt implizit, dass er Gottes Sohn ist. Nach der Ostererfahrung konnte das, was im irdischen Jesus erfahren worden war, immer tiefer begriffen und benannt werden. Die Auferstehung ist zentral wichtig für das Christusverständnis. Die Auferstehung bekräftigt, dass dies, was Jesus gesagt hat, keine Anmaßung war. Christen können daher, wenn sie von Gott reden, nicht mehr ohne von Jesus zu reden.

Jesus trat in seiner Verkündigung für eine Politik der Offenheit ein.
Offenheit für alle.
Jesus schließt niemanden aus.
Jesus hat sich allen zugewendet.
Jesus nimmt sich aller Randgruppen der damaligen Gesellschaft an, der Kranken, der Frauen, der Kinder und der Kollaborateure.

Eine große Herausforderung für uns Christen heute:
Leben wir in dieser freimachenden Botschaft, dass wir niemanden ausschließen?
Dass wir uns allen Menschen zuwenden und jeden im Blick haben?
Oder schließen wir aus?
Mit wem halten wir Tischgemeinschaft, auch mit denen, auf die andere mit den Fingern zeigen?
Wie gehen wir mit den Menschen um, die am Rande stehen?
Schließen wir nicht Menschen aus, obwohl sich Jesus diesen Menschen zuwenden würde?





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl

Beitrag online bis 29.4.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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