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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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Als diese schrecklichen Stunden vorüber waren, streckte Abraham nur noch seine Hände aus zu Gott.
Er war ruhiger. Dieses eine Opfer wollte Gott nicht.
Gott wollte nicht etwas, Gott wollte ihn.
Was bleibt, ist Abrahams Hingabe.





10. April 2011 - Judika III

Die Erzählung von der Versuchung Abrahams – wie es in der Lutherbibel heißt – ist ungeheuer verstörend. Es ist die erste Stelle, in der in der Bibel das Wort „lieben“ genannt wird und dann in diesem Zusammenhang.

Ausgelegt!
Bibelwort: 1. Mose 22,1-13

Sooft ich diese Stelle lese, frage ich mich: Wie kann Gott Abrahams Gehorsam so grausam auf die Probe stellen? Und: Warum gehorcht Abraham? Man mag sagen, die Geschichte geht ja noch gut aus, es findet sich noch rechtzeitig ein Opfertier, doch stimmt das? Wenn man die folgenden Kapitel liest, fällt einiges auf: Abraham und Isaak wie auch Abraham und seine Frau Sara sehen sich nie wieder und nie wieder sprechen Gott und Abraham so miteinander wie vor dieser unglückseligen Geschichte. Vielleicht handelt diese Erzählung wirklich von der Versuchung Abrahams; von einer Versuchung, der er erlegen ist, von der Versuchung zu Fanatismus und blindem Glaubensgehorsam. Für mich bedeutet mein Unverständnis auf alle Fälle: Ich werde mit Gottes Wort nie fertig, wie ich auch mit meinem Glauben nie fertig bin. Ich habe den Glauben nicht, sondern ich bin im Glauben. Der Glaube ist ein Prozess, in dem ich mich entwickele und der mit meinem ganzen Leben zu tun hat.

Michael Tillmann





Autor / Quelle: Bergmoser+Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 21.4.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (7.4.11 - 14.04.11 - ) / 3014 / 155