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 Fastenaktion
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Univ. Prof. Dr. Bernhard Körner


Interessierte Zuhörer im Kolpinghaus am Schöndorferplatz


Patriarch Athenagoras I.:
Glaube und Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes


Ohne den Heiligen Geist
ist Gott fern,
bleibt Christus in der Vergangenheit,
ist das Evangelium toter Buchstabe,
die Kirche nur eine Organisation,
Autorität nichts als Unterdrückung,
Mission nur Glaubenspropaganda,
Gottesdienst ein magisches Ritual,
und das menschliche Handeln von Sklavenmoral bestimmt.

Doch mit dem Heiligen Geist ist Christus da,
das Evangelium ist trinitarische Sendung,
Autorität ein befreiender Dienst,
Mission ein Pfingstereignis,
die Liturgie Erinnerung und Vorwegnahme,
das Handeln des Menschen wird göttlich.

BERICHT: Ein uferloses Thema

Die schwierigste Aufgabe besteht immer noch darin, den Heiligen Geist vom eigenen Vogel zu unterscheiden“; Prof. Dr. Körner fand bei seinem Vortrag so manche klare Aussage.

Der Weg durch dieses Thema ist an sich uferlos, beginnt Prof. Dr. Bernhard Körner aus Graz seine Ausführungen. Der Heilige Geist Gottes ist die Seite Gottes, die völlig unberechenbar ist. Was passiert, wenn die (röm. kath.) Kirche den Heiligen Geist wieder entdeckt? Darüber soll es in seinem Vortrag gehen.

Der lebendige und geschichtsmächtige Gott

„Ich kreise um Gott, den uralten Turm, und ich kreise jahrtausende Jahre lang, und ich weiß nicht, bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang“ (R.M. Rilke). Was in diesen Versen zum Ausdruck kommt, sind die zwei großen Fragen, die nachdenkliche Menschen begleiten: Die Frage nach Gott und die Frage nach dem Menschen. Was ich von Gott weiß, sagt mir auch etwas über mich, wer ich bin.
Wie steht es mit Gott in unserer Zeit? Dazu gibt es unterschiedliche Diagnosen. Schon vor Jahren hat der Theologe Metz von der westeuropäischen Gesellschaft gemeint, dass eine religionsförmige Gottlosigkeit um sich greift. Die Menschen suchen zwar etwas Religiöses, allerdings etwas gottlos Religiöses. Der Grazer Philosph Peter Strasser sprach in diesem Zusammenhang von einer Wohlfühlreligion, die zwar ein konturenloses Gottesbild hat, die Gott als eine Art Energie versteht, ein Gottesbild aber, das mit den Naturwissenschaften kompatibel und leichter vereinbar ist und auch mit Katastrofen kompatibel ist, wo wir uns it unserem Gottesbild recht schwer tun. Eine dritte Variante meint, wir haben bereits einen praktischen Atheismus in unserer Gesellschaft.
Peter Strasser nennt die Gründe, warum Gott es heute in unserer Gesellschaft schwer hat und immer mehr verblasst: In unserer Gesellschaft zählt nicht mehr das Verstehen, sondern in erster Linie der Erfolg. Dementsprechend werden vor allem auch ökonomische Werte vorangestellt (Einkommen, Vermögen, Profit). Und es gibt keine langen Perspektiven mehr, höchstens noch die Altersvorsorge wird langfristig gedacht. In einer solchen Welt wird Gott heimatlos. Es steht fest, dass es heute schwer ist, „Gott eine Platz zu sichern“ (M. Debrel).
Wenn wir Christen in diese Gesellschaft mit Gott kommen, kommen wir mit einem vergleichsweise sehr komplizierten Gott, nicht mit „einem“ Gott, sondern gleich mit einem „drei-einen“ Gott.
Wir stehen in der Spannung zwischen dem objektiven Gott als Gegenüber und der Religiosität als Resonanz zu diesem heutigen Menschen. Wenn Gott nur etwas Objektives ist, dann kann man sich die Frage stellen, was der mit mir zu tun hat und was ich mit ihm. Wenn Gott nur eine bestimmte Form der Erfahrung ist, muss man sich Fragen, ob das jetzt eine Wirklichkeit außerhalb von mir ist oder gibt es diese Wirklichkeit gar nicht.
Wir wissen, dass in der Heiligen Schrift oft die Rede ist vom Heiligen Geist, aber auch vom „Geist Gottes“. Es gibt ein Zeugnis vom Heiligen Geist. Kann dieser Geist von sich aus wirksam werden, oder ist es eine Kraft, die von Gott ausgeht, das haben sich die Christen schon in den ersten Jahrhunderten gefragt. Die Frage, ob der Geist Gottes „Person“ ist, ist schneller beantwortet als die Frage ob der Geist „göttlich“ ist. Erst das erste Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 regelte diese Frage erstmalig, die Formulierung gilt noch heute im „großen Glaubensbekenntnis“. „Wir glauben an den Heiligen Geist, der der Herr ist und mit Christus aus dem Vater hervorgeht und mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird“. D.h. auch der Geist ist göttlich.
Die Funktion des Heiligen Geistes wird im dritten Teil des Credo klar. Es findet sich eine Ansammlung verschiedener Glaubensinhalte. Der Geist Gottes ist es, durch den Gott in den Menschen und in der Kirche gegenwärtig und wirksam bleibt. Gott ist der eigentlich Handelnde in der Kirche, in den Sakramenten und bei der Auferstehung der Toten.
Dort wo der Geist Gottes ist, ist die Kirche, dort wo die Kirche ist, ist der Geist Gottes; das gilt für die Kirche der Gläubigen genauso wie für die Vertreter der Amtskirche. Ein Theologe in diesem Zusammenhang: „Die schwierigste Aufgabe besteht immer noch darin, den Heiligen Geist vom eigenen Vogel zu unterscheiden“. Durch die Legitimation der Amtsträger durch Christus scheint diesen der Heilige Geist zugesprochen, daher erfolgte in der westlichen Welt alles über die Amtsträger. Eigentliches Subjekt des Handelns war das „Amt“.
Die Tatsache, dass der Heilige Geist göttlich ist und der Heilige Geist „Person“ ist und wesensgleich wie Jesus Christus mit dem Vater, führt sehr früh zur Ausbildung des trinitarischen Monotheismus (Konzil von Nizäa, 341).

Ein weiteres Bild ergibt sich vor allem mit der Begegnung mit dem Islam. Der Islam bewahrt einen sehr strengen Monotheismus, fast numerisch verstanden: „Es gibt nur einen (1) Gott, Gott hat keinen Sohn“, so wird es von den Minaretten gerufen. Die Transzendenz Gottes wird so stark betont, dass Gott mit der Vernunft nicht mehr fassbar ist, sondern allein durch sein Wort (Koran) zu den Menschen spricht und das was den Menschen bleibt ist die Unterwerfung unter diesen Gott. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Regensburger Vorlesung sich mit dem Gottesbild des Islam auseinandergesetzt und dort darauf hingewiesen, dass wir auch im Christentum eine solche ganz strenge Auffassung von Gott haben und zwar im Spätmittelalter im sogen. „Nominalismus“ (Gott tut nicht das Gute, sondern das was Gott tut ist gut). Dahinter steht ein abgründiges Problem, ob es einen Maßstab gibt der über Gotte ist und an dem auch Gott gemessen werden kann oder ob doch Gott selbst der letzte Maßstab ist. Martin Luther hat genau unter diesem Gottesbild seine Frage formuliert, wie er so überhaupt einen gnädigen Gott finden könne, der nach keinem menschlichen Maßstab mehr messbar ist. Dieser strenge Monotheismus wird durch die Menschwerdung Jesu und die Sendung des Heiligen Geistes zu einem trinitarischen Monotheismus (Gott ist ewiges sich Berschenken: Der Vater verschenkt sich an den Sohn, der Sohn verschenkt sich an den Vater und dieser Gott der in sich schenken ist, der verschenkt sich durch Christus und dem Heiligen Geist an die Welt). Bei diesem Gott können wir mehr tun als uns unterwerfen: Wir können „glauben“, das ist nicht etwas einfach für wahr halten, sondern sich Gott anvertrauen.

Im Zusammenspiel der Gnadengaben

„Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glauben und Liebe, in der Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen (vgl. Hebr 13,15). Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien“ ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert. Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und genährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes, in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt (vgl. 1 Thess 2,13), den einmal den Heiligen übergebenen Glauben (vgl. Jud 3) unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil immer tiefer in den Glauben ein und wendet ihn im Leben voller an.

Derselbe Heilige Geist heiligt außerdem nicht nur das Gottesvolk durch die Sakramente und die Dienstleistungen, er führt es nicht nur und bereichert es mit Tugenden, sondern ‚teilt den Einzelnen, wie er will’ (1 Kor 12,11), seine Gaben aus und verteilt unter den Gläubigen jeglichen Standes auch besondere Gnaden. Durch diese macht er sie geeignet und bereit, für die Erneuerung und den vollen Aufbau der Kirche verschiedene Werke und Dienste zu übernehmen gemäß dem Wort: ‚Jedem wird der Erweis des Geistes zum Nutzen gegeben’ (1 Kor 12,7). Solche Gnadengaben, ob sie nun von besonderer Leuchtkraft oder aber schlichter und allgemeiner verbreitet sind, müssen mit Dank und Trost angenommen werden, da sie den Nöten der Kirche besonders angepaßt und nützlich sind. Außerordentliche Gaben soll man aber nicht leichthin erstreben. Man darf auch nicht vermessentlich Früchte für die apostolische Tätigkeit von ihnen erwarten. Das Urteil über ihre Echtheit und ihren geordneten Gebrauch steht bei jenen, die in der Kirche die Leitung haben und denen es in besonderer Weise zukommt, den Geist nicht auszulöschen, sondern alles zu prüfen und das Gute zu behalten (vgl. 1 Thess 5,12.19-21).“ (LG 12)


Katholizität: Die wieder gefundene Weite

(a.) Gottes Geist wirkt in der Ökumene (UR 1)

„Der Herr der Geschichte aber, der seinen Gnadenplan mit uns Sündern in Weisheit und Langmut verfolgt, hat in jüngster Zeit begonnen, über die gespaltene Christenheit ernste Reue und Sehnsucht nach Einheit reichlicher auszugießen. Von dieser Gnade sind heute überall sehr viele Menschen ergriffen, und auch unter unsern getrennten Brüdern ist unter der Einwirkung der Gnade des Heiligen Geistes eine sich von Tag zu Tag ausbreitende Bewegung zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen entstanden. Diese Einheitsbewegung, die man als ökumenische Bewegung bezeichnet, wird von Menschen getragen, die den dreieinigen Gott anrufen und Jesus als Herrn und Erlöser bekennen, und zwar nicht nur einzeln für sich, sondern auch in ihren Gemeinschaften, in denen sie die frohe Botschaft vernommen haben und die sie ihre Kirche und Gottes Kirche nennen. Fast alle streben, wenn auch auf verschiedene Weise, zu einer einen, sichtbaren Kirche Gottes hin, die in Wahrheit allumfassend und zur ganzen Welt gesandt ist, damit sich die Welt zum Evangelium bekehre und so ihr Heil finde zur Ehre Gottes.“

(b.) Überall kann mit dem Wirken Gottes gerechnet werden (NAe 2)

„Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat . Deshalb mahnt sie ihre Söhne, daß sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“


(c.) Gott bietet allen Menschen das Heil an (GS 22)

„Auch auf dem Christen liegen ganz gewiß die Notwendigkeit und auch Pflicht, gegen das Böse durch viele Anfechtungen hindurch anzukämpfen und auch den Tod zu ertragen; aber dem österlichen Geheimnis verbunden und dem Tod Christi gleichgestaltet, geht er, durch Hoffnung gestärkt, der Auferstehung entgegen. Das gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für alle Menschen guten Willens, in deren Herzen die Gnade unsichtbar wirkt . Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein. Solcher Art und so groß ist das Geheimnis des Menschen, das durch die christliche Offenbarung den Glaubenden aufleuchtet. Durch Christus und in Christus also wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell, das außerhalb seines Evangeliums uns überwältigt. Christus ist auferstanden, hat durch seinen Tod den Tod vernichtet und uns das Leben geschenkt , auf daß wir, Söhne im Sohn, im Geist rufen: Abba, Vater!“





Autor / Quelle: Zusammengefasst von Helmut Meisl und Handout Prof. Dr. Bernhard Körner

Beitrag online bis 12.5.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (12.4.11 - 27.04.11 - ) / 3018 / 332