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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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Von Fuß bis Kopf auf Liebe eingestellt

Die Revolution, die Jesus meint, geschieht immer dort, wo in einer Welt, in der die Kopfwäscher Hochkonjunktur haben, so ein Kopfwäscher die Regeln auf den Kopf stellt, sich herunter begibt und sich nicht zu schade ist für Fußwasch-Arbeit von ganz unten. Dort nämlich geschieht christliche Nächstenliebe. Aber das wissen die Fußwäscher ganz unten längst. Es müsste nur mal in den Köpfen oben ankommen!





17. April 2011 - Palmarum III

Die gute, gelöste Stimmung im Hause in Betanien kippt augenblicklich. Simon der Aussätzige hatte zu Tisch gebeten.

Ausgelegt!
Bibelwort: Markus 14,3-9

Vielleicht trug er bleibende Narben, die an den Aussatz erinnerten. Natürlich galt er als geheilt und wieder gesellschaftsfähig. Andernfalls hätte jedermann seine Nähe gemieden. Heilte Jesus ihn? Bedankte sich Simon dafür mit einem Festmahl? Das steht nicht da, darf aber angenommen werden. So speisten sie also miteinander – Hausherr und Gäste, zu denen neben Jesus die Jünger zählten, die sich vermutlich wieder einmal ein wenig im Licht ihres Meisters sonnten. Hatte er an diesem Simon nicht seine Macht bewiesen. Erneut Raum für den Traum, Jesus werde Kariere machen – mit ihnen an seiner Seite. Welch Wohlgefühl. Und dann kommt diese Frau. Eingeladen oder nicht, sie steuert zielsicher auf Jesus zu. Niemand hindert sie; hängt vielleicht mit dem Flakon in ihrer Hand zusammen, der Aufmerksamkeit erregt: kostbares Nardenöl. Ungeniert zerbricht sie das Fläschchen, der Inhalt ergießt sich über Jesus, der das geschehen lässt. Mehr noch: Allen plötzlichen Aufgeregtheiten zum Trotz, nimmt Jesus die Frau in Schutz – und zerstört, wieder einmal, die Illusion seiner Jünger: keine Salbung zum Superstar, sondern Salbung für Jesu Begräbnis. Stärkung für den letzten und schwersten Weg. Ausdruck tiefer Liebe, die nicht „Hosanna!“ und um nichts in der Welt „Ans Kreuz mit ihm!“ schreien wird, sondern tut, was sie kann, schweigend – wie die Frau mit dem Salböl.

Gundula Kühneweg





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 28.4.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (14.4.11 - 21.04.11 - ) / 3025 / 146