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 © Helmut Meisl

 Wir in der EINEN Welt
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Südindienreise (1): wenn Elefanten segnen

Mit seiner Familie und zwei weiteren Teilnehmern war Roman Anlanger zum Jahreswechsel in Indien. Wir veröffentlichen im 14-Tagesrhytmus seinen interessanten Reisebericht in 4 Teilen.

In langer Schlange stellen sie sich an, die Frauen in gleichen, knallroten Saris, die Männer mit nacktem Oberkörper und grünen oder schwarzen fußlangen Beinkleidern. Sie wollen alle zum Tempelelefanten, der den Rüssel hebt, auf den Kopf der Pilger fallen lässt und in weiterer Folge die Hand des Gesegneten aufsucht, um eine Spende entgegen zu nehmen. Es ist Wallfahrtszeit in Südindien und zu Zehntausenden sind die Wallfahrer im südindischen Staat Tamil Nadu unterwegs um zu den hinduistischen Göttern in den Tempeln zu beten und zu opfern. Die Wallfahrten sind ein Zeichen der noch immer tiefen Verwurzelung des hinduistischen Glaubens in der Religion.

Wir sind dabei und lassen uns auch segnen. Das „Wir“ ist Roman Anlanger mit 7 Familienmitgliedern, 2 Salzburgerinnen und einer in Griechenland lebenden Engländerin. Die Gruppe ist zur Halleiner Schule in Vadipatty unterwegs, doch vorher und nachher soll Südindien ein klein wenig erkundet werden.

Die ersten Tage verbringen wir am Strand bei Chennai (Madras) in Mahalibalipuram. Die hohen, nicht ungefährlichen Wellen machen den Kindern viel Spaß. Weniger Freude haben die Fischer damit, die die Boote jeden Tag durch die hohen Brandungswellen in das offene Meer schieben können. Auf den Booten kann man gerade noch lesen, wer sie gespendet hat, denn die Küste war in Mahalibalipuram war durch den Tsunami am 26.12.2004 arg in Mitleidenschaft gezogen worden, wobei auch alle Boote vernichtet wurden. Hier in Mahalabalipuram lernen die Mitreisenden auch gleich die einheimische, einfache aber köstliche vegetarische Küche kennen. Im Restaurant wird zunächst mit einem Gummischaber und schwarzgrauem Fetzen die steinerne Tischplatte gesäubert und die Essensreste und einen Kübel geschoben. Dann kommt ein Krug Wasser auf den Tisch, bevor die Bananenblätter kommen, die man auf einer Seite wäscht und das Waschwasser dann auf den Boden schüttet. Nun kommen Reis, Tscharpatty , Puri und viele Gemüsesoßen in kleinen Schalen auf das Palmenblatt. Mit der rechten, der reinen Hand, formt man kleine Kugeln aus Reis, die man dann geschickt in den Mund führt. Keiner hast der Reiseteilnehmer hat gemotzt, alle haben mit gemacht. Und, das ist auch noch zu erwähnen, wir haben mehrfach in so einfachen Küchen gegessen, wo alles frisch aus der Küche gekommen ist und trotz der in unseren Augen bescheidenen Reinlichkeit ist keiner krank geworden.

Die Zugfahrt von Mahalibalpuram nach Tiruchirapally, kurz Trichy– ist für uns ein spannender Teil der Reise. Die Züge, alle Waggons haben vergitterte, schmutzverschmierte Fenster und sind unbeschreiblich lang. Man weiß aber in welchem Waggon der reservierte Sitz ist und auf dem Bahnsteig ist angeschrieben, wo die entsprechenden Waggons zu finden sind. Ohne diese Organisation würde man nie zu seinem Waggon kommen. Die besseren Klassen haben Air-Condition, bei den einfacheren Waggons sitzen die Reisenden auf den Trittbrettern und hängen in Trauben aus den Türen heraus. Das Service in den Waggons ist erstklassig. Ununterbrochen kommen Verkäufer vorbei die Gemüsegerichte, Tomatensuppe, Tee. Kaffee, frittiertes Gemüse, usw verkaufen. Nur mit der Aussicht durch die seit Jahren nicht geputzten Fenster hat man so seine Probleme.

Tiruchirapally, meist nur Trichy genannt ist inmitten der südindischen Tempelstrasse. Zum Bestaunen der Tempelstrasse könnte man Wochen verbringen, um all die immer wieder aufs neue beeindruckenden Anlagen zu besuchen. Doch wir beschränken uns im Wesentlichen auf die unwahrscheinlich große Tempelanlage von Srirangam und den einmaligen Tempel von Madurai. Srirangam ist kein Tempel, es ist eine riesige hinduistische Tempelanlage. Am Eingang finden sich, wie bei vielen Tempeln zahlreiche bettelnde Saddhus (weise Männer) und Verkäuferinnen von Blumenanlagen, die man den Götterstandbildern umhängt. Noch berühmter ist der Menakshi-Tempel mit seinen riesigen Tortürmen in Madurai. Honig soll an dieser Stelle aus dem Barte Shivas geflossen sein. In den Tempeln herrscht nicht andächtige Stille.und Ruhe wie in unseren Kirchen, sondern es ist Wallfahrerzeit, ein Strom vom Menschen strömt durch die Anlagen, zündet Öllampen an, sitzt am Boden und verzehrt das Mitgebrachte. – Wer in Indien keinen Markt besucht hat, der war nicht in Indien. So geben wir uns in Trichy auch das Abenteuer Markt, auf dem wir nicht nur die Früchte des Landes, sondern auch die harte Arbeit der Männer sehen, die Kartoffel, Tomaten und was sonst gebraucht wird, auf Fahrrädern, Rikschas oder auf dem Rücken heran schleppen.

In Trichy besuchten wir auch das Grab von Pt. Ritz SVD und legten Blumen nieder. Für jene, die den Arbeitskreis noch nicht so lange kennen, Pt. Karl Ritz war jener Geistliche, durch den der Arbeitskreis vor 40 Jahren Kontakt zu Indien bekam.

Nach den Tagen in Vadiaptty führte die Reise zunächst nach Kanyakumari oder auch Kap Comorin, dies ist der südlichste Punkt Indiens. Hier treffen der Bengalische Strom, das Arabische Meer und der Indische Ozean zusammen. Hier wurde auch die Asche Mahatma Ghandis dem Meer übergeben. Vor Kap Comorin gibt es eine Überraschung, man kommt durch eine Anlage von zehntausenden Windgeneratoren. Während die Landschaft in Tamil Nadu, das ist der Bundesstaat in dem wir uns an der Ostküste bisher bewegten eher trocken ist, kommen wir an der Westküste in Kerala nun in ein Gebiet mit tropischem Wald und man bewegt sich auf den Strassen stets in einer grünen Schlucht. Hier verbringt die Gruppe noch 3 Tage in einem netten Strandhotel. Wir kommen auch in den Badeort Kovalam, wo die barbusigen Touristinnen so jedes Feingefühl vermissen lassen und für die daneben hart arbeitenden Fischer sicherlich einen Kulturschock darstellen. Übrigens es gibt organisierte Busfahrten für Männer an die Küste um „Touristinnen zu schauen“. Jedenfalls haben hier unsere Jugendlichen viel Spaß, die zusammen mit den braunen Buben des Landes in den riesigen Wellen, ich bekam manchmal Angst, herum tollten. Eines noch zu Tamil Nadu, das an die 30% Christen hat. Es war Weihnachtszeit und die Kirchen waren in der Nacht in bunte Lichterketten gehüllt, dass man den Eindruck hatte in Las Vegas zu sein. Dies sei ohne Beurteilung fest gestellt.





Autor / Quelle: Dipl. Ing. Roman Anlanger

Beitrag online bis 31.12.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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