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Südindienreise (2): Ein Tag in Vadipatty
Mit seiner Familie und zwei weiteren Teilnehmern war Roman Anlanger zum Jahreswechsel in Indien. Wir veröffentlichen im 14-Tagesrhytmus seinen interessanten Reisebericht in 4 Teilen.
Vorweg – wir haben uns in Vadipatty sehr wohl gefühlt und man sich um die Gruppe in einmaliger Weise angenommen. Gelitten hat nur der 2,05 m lange Reisteilnehmer Aurel, der in den harten Betten keinen Platz fand.
Fußballspiel - Klingt ungewöhnlich, doch begonnen hat der Tag mit einer Schlammschlacht, bei der ich Tranen vor Lachen vergossen habe, wie seit Jahren nicht. Auf meine Anregung hin gab es ein Fußballspiel. Meine beiden Enkelkinder Tristan und Moritz durften sich je 10 Buben für eine Mannschaft auswählen. Eine Mannschaft musste die Leiberl ausziehen, damit man die Mannschaften unterscheiden konnte. Das auf einer lehmigen Wiese mit Steinen abgesteckte Fußballfeld stand zum Teil unter Wasser. Die Spieler rutschten, kugelten, schlitterten, entweder auf allen Vieren oder auf dem Hinterteil oder mit dem Bauch, wie in einem Lustspiel über die Spielfläche, über das Gras, durch den Lehm oder die Pfützen. Innerhalb kürzester Zeit waren alle nur mehr mit grauem Schlamm bedeckt. Auch der mit einer weißen Soutane bekleidete Schiedsrichter und ein Fotograf wurden angeschossen. Während zu Beginn des Spieles 22 Spieler auf dem Feld waren, waren es am Ende an die 45, denn immer gesellten sich zu den Mannschaften. Das Spiel wurde vorzeitig abgepfiffen und der Schiedsrichter Br. Augustin meinte zu mir: „No good idea“!
Bäume für die Schule – Die Fläche vor dem zweiten, später errichteten Schulgebäude war noch ohne Bäume, doch jetzt gibt es Bäume! Je Teilnehmer wurde ein vom Arbeitskreis finanzierter Baum gesetzt und was ganz wichtig ist, mit einem massivem Schutzgitter umgeben, damit die Ziegen nicht heran können. Es ist zu hoffen, dass die Bäume einmal so schön werden, wie die vor dem Hauptgebäude vor …. Jahren gesetzten Bäume. So nebenbei sei erwähnt, das man zum Zeitpunkt unseres Besuches in Vadipatty sehr glücklich war, denn nach Jahren der Trockenheit hatte der letzte Monsun alle Brunnen gefüllt.
Bibliothek – „Lesen gefährdet die Dummheit“, darauf wurde bei der anschließenden Eröffnung der von Hallein finanzierten Bibliothek verwiesen, die auf einige Tausend Bände anwachsen soll. Die Bibliothek ist nach „Father Charles Ritz“ benannt, durch dessen Vermittlung es zum Bau der Halleiner Schule in Vadipatty gekommen ist. Zu Ehren von Pater Ritz befindet sich in der Bibliothek auch eine Büste von ihm.
Wasseraufbereitungsanlage – Nur einige Monate vor dem Besuch der Halleiner Gruppe kam der Hilferuf um die Finanzierung einer Wasseraufbereitungsanlage, da das unaufbereitete Wasser aus den örtlichen Brunnen nicht mehr trinkfähig war. Mit € 4.000,00 hat man bis zum Besuch der Halleiner Gruppe diese Anlage installiert und konnte auch „offizell“ in Betrieb genommen, nachdem sie den Probebetrieb bereits hinter sich hatte. Eröffnung heißt natürlich gemeinsames Durschneiden eines Bandes und Positionierung für den Fotografen. Eine wirklich tolle Investition, über die man sich freuen kann, da nun über 1.300 Schüler sauberes Trinkwasser haben, denn die Anlage ist für 1.500 l / Tag ausgelegt.
Gespräch mit der Lehrerschaft – In einem Gespräch mit der Lehrerschaft gründeten sich aufgrund der Anregung aus Hallein unter Anleitung v. Br. Augustin spontan zwei Arbeitsgruppen. Eine Gruppe will sich mit Unterstützung aus Hallein der Einführung von Sonnenenergie zum Kochen widmen, die andere Gruppe soll eine Art Absolventenverein gründen, mit dem man Abgänger der Schule motivieren will, für den Weiterbestand der Schule mit Sorge zu tragen. Leider sind meine Kontaktpersonen, die für die Einführung der „Solarkocher“ behilflich sein hätten können, ausgefallen, sodass ich diesbezüglich derzeit etwas auf der Stelle trete. Die Lehrerschaft zeigte sich auch daran interessiert Bilder über Vadipatty gemalt mit den Schülern in Vadipatty mit Bildern von Halleiner Schülern aus zu tauschen. Wer kann einen Zugang zum Leiter einer Halleiner Schule verschaffen?
Jahrestag – festlicher Abend – Eine Trommlergruppe geleitet uns zur Festtribühne, auf die Stirn bekommen wir einen Farbklecks und um den Hals eine 3 kg schwere Blumenkette, sowie eine glitzernde Kette aus Sandelholz mit riesigen, bunten Farbtellern. Lichterketten blinken, aus der Verstärkeranlage dröhnt es. Uns zu Ehren hat man die Feier zum „annual day“ auf den Tag unseres Besuches gelegt, wobei zu vermerken ist, das man wegen uns mit der Schule nach den Weihnachtsferien einen Tag früher als üblich begonnen hat. Maximal 1 ½ h hat man mir versichert, dauert die Feier, doch es wurden 4. Mit den einfachen Tänzen der Vorschulkinder bis zum Nationaltanz dem kunstvollen Barathanytyam hat man uns viel Freude gemacht. Doch die zahlreichen Reden waren schon ermüdend, so wie Auch das überreichen der Preise an die Klassenbesten. Bei der Feier war auch die Frau Bürgermeister von Vadipatty, mit der ich zuvor ein Gespräch führen konnte. An diesem festlichen Abend hat uns da für uns bereit gestellte Bier besonders gut geschmeckt. Ein weiteres interessantes Detail zur Feier am 03. Jänner 2011 ist, dass die Grundsteinlegung zur Schule nahezu auf den Tag genau vor 20 Jahren, am 02. Jänner 1991 erfolgte.
Autor / Quelle: Dipl. Ing. Roman Anlanger
Beitrag online bis 31.12.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (5.4.11 - 28.05.11 - ) / 3032 / 251
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