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 Wir in der EINEN Welt
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Südindienreise (3): Töpferei – Zuckerfabrik – Kalkbrennerei – Steinbruch - Ziegelwerk

Mit seiner Familie und zwei weiteren Teilnehmern war Roman Anlanger zum Jahreswechsel in Indien. Wir veröffentlichen im 14-Tagesrhytmus seinen interessanten Reisebericht in 4 Teilen.

Dies alles gibt es bei uns auch, doch nicht in so einfacher Art, wo man die Funktionsweise noch erkennen kann, wie wir es nach dem Verlassen der Fernstrasse bei der Fahrt bei diversen Produktionsstätten über das Land erleben konnten.


Töpferei – Ein reiner Familienbetrieb ist es, den wir unmittelbar neben der Strasse antrafen. Auf einer von Hand gedrehten Töpferscheibe wurden von dem am Boden sitzenden Töpfer die Gefäße hergestellt, eine Frau trug sie zum Trocknen in die Sonne, andere Frauen wiederum saßen am Boden und lackierten die gebrannten Gefäße knallig rot um sie dann noch zu polieren.


Zuckerfabrik – Schwarzer Rauch quält sich aus einem ca. 5m hohen, gemauertem Kamin. Aus kommt aus einer Feuerstelle unter einer Wanne von ca. 5 m Durchmesser. Doch der Reihe nach. Mit einer motorisch angetriebenen Presse wird das Zuckerrohr gequetscht und der Zuckerrohrsaft in die beschriebene Wanne gepumpt. Mit einem langem Schaber wird die Melasse gerührt und wenn eine gewisse Konsistenz gegeben ist, heraus gezogen. Da sitzen dann Männer und Frauen am Boden und formen aus dem Gatsch braune Kugeln von ca. 5 cm Durchmesser. Nach dem Erkalten sind die Kugeln steinhart und können transportiert werden. Ich habe diese schon öfters auf den Märkten gesehen, aber nicht gewusst, was es ist. Dieser Zucker ist allerdings nicht für den Menschen, sondern für Tiere gedacht, wobei er meines Erachtens wesentlich wertvoller als der weiße Kristallzucker ist. Er schmeckt auch gut! Zum Heizen verwendet man die ausgepressten Zuckerrohrstengel, die man zuvor auf dem Boden ausbreitet um sie zu trocknen.

Kalkbrennerei – Genau genommen handelte es sich um eine Brennerei die weißes Pulver herstellte, das man in den Tempeln und für Muster vor den Häusern verwendet. Dazu braucht man Kalk, Kohle und viel Luft. Kalk und Kohle wurden von zahnlosen, ausgemergelten Frauen von Hand zerkleinert, gemischt und in den Brennofen getragen. Das Gebläse, es klingt unglaublich, stimmt aber, wurde von Frauen ohne Unterlass händisch angetrieben.

Steinbruch – In Indien boomt derzeit der Strassenbau. Man braucht viel Schotter. Wir besuchen einen Steinbruch wo der Stein für den Strassenbau händisch abgebaut wird. Keine Maschinen, keine Dynamit – alles geschieht händisch, auch die Verladung auf die LKWS, die die Steinbrocken dann zum Brecher bringen. Die Männer haben Hände wie Eisen und sind mit 50 fertig. Wenn nicht durch die Arbeit, dann durch den billigen Alkohol der sie am Abend die schwere Arbeit vergessen lässt. Die Besitzer können sich eine niedrige Bezahlung leisten, als die Arbeiter meist verschuldet sind, weil sie sich für die Hochzeit oder andere Ereignisse beim Steinbruchbesitzer Geld ausborgen müssen. Laut Auskunft gibt es hier keine Kinderarbeit und auf Kinderarbeit stehen strenge Strafen.

Ziegelwerk – Mit einer Harke mischt der nur mit einem Lendenschurz bekleidete Arbeiter den Lehm mit Wasser. Er ist ein fröhlicher Typ und hat mit uns Fotografen viel Spaß. In Schalen tragen die Frauen dann den Gatsch zum Formplatz, wo mit einem Holzmodel Ziegel, für Ziegel geformt und in die Sonne zum Trocknen getragen wird. Wieder auf dem Kopf tagen die Frauen dann zum Brennofen, der für jeden Brennvorgang neu errichtet wird. Natürlich wieder auf dem Kopf, werden die gebrannten Ziegel dann zur Verladestelle gebracht. Neben dem Wasserbottich steht ein kleiner dunkelbrauner nackter Bub und schaut verstört seine Mutter an, denn soviel weißes Fremdwerk hat er noch nie gesehen. Die Bilder der Frauen mit den Schüsseln auf dem Kopf sollen zeigen, wie schwer die Frau in Indien noch immer arbeiten muss, auch wenn man eine Atombombe hat.





Autor / Quelle: Dipl. Ing. Roman Anlanger

Beitrag online bis 31.12.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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