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Ist das das Wesen eines Bittgebets? Gott so lange zu bestürmen, ja, lästig zu sein, ihm auf die Füße zu treten, bis man bekommt, was man erbittet? Beten bleibt wohl immer ein Geheimnis und unberechenbar, erst recht das Bittgebet, so wie Gott selbst geheimnisvoll und unberechenbar bleibt. Und doch: Es „lohnt sich“, sich Gott zuzuwenden, auf ihn auszurichten, und zwar als ein Mensch, der bedürftig ist, der angewiesen ist, dem nicht alles selbstverständlich ist, der Kind und nicht selbst Herr über das Leben ist und alles im Griff hat, der sich Wesentliches, vielleicht sogar alles von Gott schenken lassen will.
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29. Mai 2011 - Rogate III
„Das Beste, was wir können, ist beten“, hat der deutsche Dichter Alfred Döblin (1878–1957, „Berlin Alexanderplatz“) in einem Brief geschrieben.
Ausgelegt! Bibelwort: Lukas 11,5-13
So klar und schön der Satz ist, so schwer ist doch immer die Antwort auf die Frage: Erhört Gott meine Gebete? Jesus antwortet mit Ja auf diese Frage, und sei es auch nur, weil Gott das „unverschämte Drängen“ meiner Bitten beeindruckt. Aber nun gibt es doch so viele Gebete in der Welt, die von Gott offenbar nicht erhört werden. Was ist damit?
Mein Wunsch, meine Bitten sind das eine, Gottes Wille ist das andere. Das ist die Antwort, auch wenn sie mir schwerfällt anzunehmen. Auch Jesus bat um Schonung vor dem Kelch und bekam die Bitte nicht erfüllt. Er wusste wohl, dass seine Bitten und der Wille Gottes weit auseinander liegen können. Darum fügte er seinem Gebet die Worte hinzu: „Dein Wille geschehe!“ Gegen den Willen Gottes hilft auch kein „unverschämtes Drängen“, das wird der fromme Jude Jesus gewusst haben. Andererseits: Der Wille Gottes kann so wunderbar sein, dass er alle meine Bitten weit übertrifft. Zwischen beiden Möglichkeiten liegt mein Lebensweg: Gott erfüllt meine Bitten nicht – oder: Gott schenkt im Übermaß. Das Beste wäre da, wenn mein ganzer Lebensweg ein einziges Gebet ist. Und vor dem Schlafengehen schließen die Bitten des Tages diese drei Worte ab: Dein Wille geschehe.
Michael Becker
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen
Beitrag online bis 9.6.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (26.5.11 - 02.06.11 - ) / 3054 / 143
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