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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe




Paddy Ferry ging zur Messe treu an jedem Sonntag. Doch Paddy Ferry fuhr zur Hölle für sein Tun am Montag.
(aus Irland)



13. Oktober 2002
28. Sonntag im Jahreskreis


11.10.2002: Geht hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen.

Was ist das für ein Gastgeber, der so hart mit seinen Gästen umgeht? Da wird nichts mit freundlichen Floskeln schön geredet, keine höfliche Nachsicht geübt. Klar und konsequent konfrontiert er jene, die seine Einladung missachten, mit den Folgen ihrer Geringschätzung. Eine gnadenlose Angstmacher-Geschichte, so möchte man meinen. Gäbe es da nicht Menschen, die die Geschichte ganz anders zu erzählen wüssten. Ausgerechnet jene, die eigentlich schon lange nicht mehr damit rechneten, eingeladen zu werden, kommen in den Genuss seiner ehrlichen Gastfreundschaft. Am hochzeitlich gedeckten Tisch fragt niemand nach ihrer Herkunft, ihrem gesellschaftlichen Ansehen, ihren guten wie bösen Taten. Was zählt, ist ihr Dasein hier und jetzt. Was sie schmückt und umfängt wie ein festliches Gewand, ist die Würde und Haltung, die ihnen in dieser Gemeinschaft zuwächst. Und plötzlich scheint auch der Gastgeber wie verwandelt. Wer fremden Menschen so großherzig und vorurteilsfrei Achtung und Respekt entgegenbringt, kann nicht gleichzeitig danach trachten, mit Drohungen und Strafen seine Macht zu demonstrieren. Bis zum Schluss bleibt er in seinem Verhalten hart und unbestechlich. Doch nicht, um seine Gäste zu verletzen , sondern um in ihnen ein Bewusstsein für ihre Würde und ihr Heilwerden zu wecken. Da stellt sich am Ende die Frage: Was ist das für ein Gastgeber, der seinen Gästen eine solche Chance und Freiheit schenkt?




Autor / Quelle: Susanne Brand

Beitrag online bis 25.10.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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