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Man muss mit
der Vergangenheit
auch abschließen können,
um Zukunft zu haben.





17. Juli 2011 - 4. Sonntag nach Trinitatis III

Rache ist das am meisten unterschätzte Gefühl in unserer westlichen, zivilisierten Welt. Wir wollen sie nicht wahrhaben, aber sie ist eben doch das Motiv zu vielerlei Übel, gerade auch im öffentlichen Leben.

Ausgelegt!
Bibelwort: 1. Mose 50,15-21

Manch einer verzehrt sich über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, nur um es jemandem heimzuzahlen. Der große, der unbegreifliche Humanismus der Josefsgeschichte zeigt sich hier. Und diese Geschichte wurde erzählt zu Zeiten, die wir noch geneigt sind, barbarisch zu nennen. Von Kapitel zu Kapitel wird eine Geschichte aufgebaut, die eigentlich in einer Orgie von Rache und Hass enden müsste. Stattdessen weidet sie sich an der Lust der Vergebung. Alle überleben. Alle reifen. Alle haben plötzlich Perspektive. Josefs „Vergeltung“ ist subtil, aber nicht verletzend: Die Brüder werden ihren eigenen Rachefantasien ausgesetzt, damit sie die Wonne der Vergebung spüren. Gegen die Liebe haben wir keine Chance. Wer von Rache vergiftet ist, wird das als einen aggressiven Satz hören, als einen Angriff auf alles, was Gerechtigkeit genannt zu werden verdient. Wer je Vergebung erfahren hat oder besser noch: Vergebung schenken durfte, wird zutiefst bewegt sein davon: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Mehr als das braucht nicht gepredigt zu werden: Das ist pures Evangelium, Ostern.

Roland Kupski





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 28.7.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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