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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
Diese Seite als Druckausgabe


Jerusalem, 700 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Jesaja träumt von einer großen Verwandlung. In seiner Vision ist alles verändert. Friede wird sein. Tote Gärten werden voller Bäume sein. Blinde werden wieder sehen, Taube werden wieder hören. Richter werden gerechte Urteile sprechen. Und: Gott wird es sein, der dies alles tut. Gott, der schon früher Menschen befreit hat. Er wird es wieder tun.





11. September 2011 - 12. Sonntag nach Trinitatis III

Das kleine deutsche Wort „einst“ ist ein wunderbares Wort. Es ist zugleich unscheinbar und zutiefst doppeldeutig – kann es doch sowohl weit nach vorne weisen wie auch weit zurück.

Ausgelegt!
Bibelwort: Jesaja 29,17-24

Einst wird Gott den Libanon fruchtbar machen, wie er einst das Haus Israel erlöst hat. Beides ergibt Sinn, von beidem spricht Jesaja heute. Im Wort einst verewigt sich Gott, sozusagen: Er hat gehandelt und er wird handeln. Er umfasst, umgreift die Welt. Niemand darf sein Leben so einrichten, als gäbe es diesen Herrn der Geschichte nicht. Während ich das schreibe, werden Tyrannen gejagt, wie Jesaja es vor Augen hat. Im vergangenen Frühjahr brach sich viel Freiheitswille Bahn in Nordafrika und in Arabien. Die Tyrannen in Tunesien und Ägypten sind geflohen, in Libyen und im Jemen stellt man ihnen nach. Manches währt viele Jahre und Jahrzehnte, aber jedes Volk findet seine Wege gegen die Unfreiheit. Für mich ist dieser Wille zur Freiheit ein Erweis dafür, dass der Mensch zur Freiheit geboren und zur Demut verpflichtet ist. Zur Demut vor Gott, dem Herrn der Geschichte. Tyrannen stellen sich mit Gott auf eine Stufe, und das verwehrt er ihnen im Namen seiner Freiheit, „damit die Elenden wieder Freude haben am Herrn.“ Wer glauben will, beginne wie Jesus mit Demut: Du sollst Gott, deinen Herrn, allein anbeten.

Michael Becker





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 22.9.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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