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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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„Die Güte des Herrn ist es, dass wir nicht gar aus sind!“ Mitten in der Finsternis, inmitten von unvorstellbarem Leid und tiefer Schuld, erinnert der Dichter der Klagelieder ganz behutsam daran, dass es einen Halt und eine Hoffnung im Leben gibt. „Vielleicht ist noch Hoffnung!“, ruft er den Menschen zu (Klagelieder 3,29). Denn was immer auch geschehen ist und wie verzweifelt die Menschen auch sein mögen: Gott ist voller Güte und Erbarmen für sein Volk. Er ist treu und verlässlich. Er meint es gut mit den Menschen. Gott leidet mit ihnen. Gott verhält sich gegenüber dem Bösen nicht neutral. Es ist Gott nicht gleichgültig, wenn Menschen anderen Menschen Unrecht und Gewalt antun. So setzt Gott alles daran, dass Recht und Gerechtigkeit wiederhergestellt werden. Seinem inneren Wesen und seinem Herzen entspricht es nicht, Leid und Trauer über die Menschen zu bringen.





9. Oktober 2011 - 16. Sonntag nach Trinitatis III

Jeremia ist der Prophet, der mit den Verschleppten 587 vor Jesus nach Babylon ging – oder gehen musste. Jeremia hatte lange Zeit vor den Folgen gewarnt, wenn man Gottes Willen übersieht oder belächelt.

Ausgelegt!
Bibelwort: Klagelieder 3,22-26.31-32

Jeremia hatte den Hochmut derer angeklagt, die immer wieder sagten: Es wird schon nicht so schlimm werden. Doch, hatte er gesagt, es wird schlimm werden. Und es wurde schlimm 587 vor Jesus. Das Gericht Gottes traf die Menschen, die sich seinem Willen in den Weg stellten.

Hunderte Israeliten aus Jerusalem und Umgebung mussten nach Babylon in die Gefangenschaft. Dort saßen sie und weinten. Jeremia selbst stimmt Klagelieder an und sagt über das geliebte Jerusalem (1,1): „Wie liegt die Stadt so verlassen, die voll Volks war!“ Aber Jeremia klagt nicht nur. Wenn die jüdische Gemeinde in Babylon sich durch Klagen etwas Luft verschafft hatte, war auch wieder Platz für andere Gedanken und Empfindungen (3,22): Die Güte des Herrn ist es, dass wir nicht völlig am Ende sind. Wir leben noch; wir dürfen Gottesdienst feiern; das Volk der Babylonier ist gut zu uns; wir sind in der Fremde, aber Gott ist doch bei uns. Mitten in der Klage stimmt Jeremia ein Loblied an auf den unvergleichlichen Gott. Im tiefsten Schmerz erkennen die Gläubigen auch wieder: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Klage tröstet, Lob lässt uns hoffen.

Michael Becker





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 20.10.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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