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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
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Besessenheit – das ist ein Symbol für etwas, das es auch heute noch gibt. Jeder kann in die Rolle des Besessenen geraten. Was heißt denn „besessen sein“? Es heißt, dass ich eine Sache oder eine Verhaltensweise nicht mehr in der Gewalt habe, sondern von ihr beherrscht werde. In diesem Sinn sind wohl die meisten ein wenig „besessen“. Wir sind z.B. besessen von Sorgen und Ängsten, von Erfolgsstreben und Habgier, von Schönheit oder auch Macht. Wenn wir mit dieser Besessenheit in die Nähe Jesu kommen, mag es uns gehen wie dem Besessenen des Evangeliums: Wir werden verunsichert, wir fühlen uns durch die Güte Jesu bedroht. Und innerlich schreien wir: „Jesus, lass uns in Ruhe. Biete uns nicht deine Liebe und Freiheit an. Wir fühlen uns wohl, wie wir sind!“ Doch dann sagt Jesus heute wie damals zu diesen Stimmen: „Seid ruhig, ihr Geister der Mittelmäßigkeit, ihr Dämonen der Kleinlichkeit und des Egoismus. Macht Platz den Kräften der Liebe. Gebt diese Menschen frei! Bringt sie zu sich selbst, indem ihr sie an mich abtretet!“


Denn das ist eines der größten Übel unserer Zeit, dass es Ärzte für den Leib und Ärzte für die Seele gibt, wo doch der Arzt für beides da sein sollte.

Platon



30. Oktober 2011 - 19. Sonntag nach Trinitatis III

Auf den ersten Blick ist dies ein seltsamer Text, der uns am „Sonntag der Heilung“ erzählt wird. Etwas unbestimmt wird von vielen Heilungen erzählt, die Jesus vornimmt, aber auch davon, dass Jesus sich zurückzieht und von vielen gesucht wird.

Ausgelegt!
Bibelwort: Markus 1,32-39

Dann wieder predigt Jesus und treibt böse Geister aus. Was will Markus damit sagen? Er will sagen, dass zum Heil und zur Heilung nicht immer die Gesundheit gehört, aber immer die Stille. In der Stille begegnen wir uns selbst. Das ist auch bei Jesus so. Zum Heil gehört es, sich zu sammeln, die Zerstreuungen gleichsam einzusammeln und sich zu fragen, wer man denn wirklich ist. Wer nach seinem Heil sucht, muss in sich gehen können. Nur in der Stille, nur am Ende aller Zerstreuungen erkennen wir, wie bedürftig wir sind, wie angewiesen auf Zuwendung und Liebe, die keine Bedingungen setzt. Jeder Mensch braucht einen, der keine Vorwürfe macht, auch wenn sie vielleicht nötig wären. Wenn es still wird um uns, erkennen wir schon selbst, wo die Verfehlungen sind, wo das Leben eine falsche Richtung hat und warum wir Gott immer wieder vergessen. Das macht Jesus uns gleichsam vor, wenn er sich zurückzieht, um neue Kräfte fürs Predigen zu sammeln. Heil liegt in der Sammlung, nicht in der Zerstreuung. Gott kann nur die heilen, die das Unheil ihrer Seele erkennen und bitten: Herr, erbarme dich.

Michael Becker





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 10.11.2011 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (27.10.11 - 03.11.11 - ) / 3167 / 64