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Die Literaturgruppe 7i des Musischen Gymnasiums Salzburg (Sophie Eberl, Jana Herzog, Olivia Kelnreiter, Gunda Kinzl, Lena Lohninger, Benedikt Müller, Philip Pramer, Katharina Reitsamer, Milena Schedle, Jonas Schett, Andrea Schwaighofer und Franziska Strasser)
Prof. Mag. Dr. Daniela Marinello vom Musischen Gymnasium und Jana Herzog, von der das beeindruckende Bild auf der Einladung stammt.
Die Musikgruppe JOUVIE umrahmte den Abend mit ins Ohr (und in die Beine) gehenden Melodien
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Alles auf Anfang
Mit einem beeindruckenden Abend in der Alten Schmiede dokumentierte das Haus Mirjam anlässlich des 20-jährigen Bestehens einmal mehr seine Verwurzelung in der Halleiner Bevölkerung.
"Alles auf Anfang" war das Thema einer Lesung und Performance der Literaturgruppe 7i am Musischen Gymnasium in Salzburg. Nachdem dem Haus Mirjam vor einigen Tagen erstmals ein Dreijahresbudget vom Land Salzburg zugestanden wurde, bekam dieses Thema eine Doppelbedeutung. Denn erstmals seit 20 Jahren des Bestehens mit immerwährenden Kämpfen ums Überleben und zeitweise sogar gegen das "Zusperren", kann das Haus nun eine längerfristige Planung vornehmen und seine Kräfte endlich auf das "Kerngeschäft" bündeln.
20 Jahre Haus Mirjam bedeutet auch 10 Jahre Leitung durch Doris Weißenberger, die nach der Gründung des Hauses die Leitung von Schwester Adele übernommen hatte. Doris Weißenberger sprach bei Ihrer Begrüßung und kurzen Erzählung der spannenden Geschichte des Hauses auch von den vielen "ungen", die das Haus zu überstehen hatte: Finanzkürzungen, Stundenkürzungen, Personalkürzungen, Aufgabenkürzungen, Schließungen, Einsparungen usw.. Sie sprach aber auch vom Zusammenhalt des Teams, das in den Jahren zusammengeschweißt wurde und auch in den unsichersten Zeiten nie aufgab und das Haus verließ.
Zweifelsfreier Höhepunkt des Abends war dann der Auftritt der Jugendlichen der Projektgruppe des Musischen Gymnasiums aus Salzburg. Die Schwerpunktgruppe "Kreatives Schreiben und Literatur" der Klasse 7i verstand es großartig, die vielen Besucher von Anfang bis zum Ende des Auftrittes in ihren Bann zu ziehen. Es war ein "spannendes Vorhaben, Wörter, Sätze, Geschichten gegen das Schweigen und Getöse zu (er)finden", so die Leiterin des Projektes, Dr. Daniela Marinello. Diese Spannung verspürte auch das Publikum, das von der Fülle, dem Ideenreichtum, der Feinfühligkeit, der Ehrlichkeit und Offenheit der Jugendlichen begeistert war. Wenn in den Medien (zu) oft von den faulen, den angepassten, den unsensiblen und gleichgültigen Jugendlichen gesprochen wird, dieser Abend hat einmal mehr bewiesen, dass dieses Vorurteil den Jugendlichen Unrecht tut und es auch diese "anderen" Jugendlichen gibt, die, die mit Herz und Verstand und Sensibilität unsere Welt analysieren und so mache Wahrheit einmal verschlüsselt, dann aber auch wieder wunderbar überspitzt zum Besten gibt. Dafür ein ehrliches und von Herzen kommendes Danke!
Was wäre ein Fest ohne ein "Festmahl". Ein solches schufen die Schülerinnen des 3. Jahrganges der HLW Hallein und sie zeigten auf ihre Art und Weise, dass auch bei den kulinarischen Genüssen mit "der Jugend" zu rechnen ist.
MlLENA SCHEDLE
Der Herrgott und die Socken
Der Herrgott wird's schon richten, sagt der Opa immer. Wenn ein Gewitter kommt und ich und meine kleine Schwester, die Kimi, Angst haben, dass uns das Dach auf den Kopf fallt, und der Papa uns erklärt, dass nix passieren kann, wegen der Blitzableiter, dann sagt der Opa nur, der Herrgott wird's schon richten. Und wenn das Gewitter dann aufhört, bin ich beruhigt und denk' mir, jetzt hat's der Herrgott gerichtet. Weil das mit den Blitzableitern hab ich eh nie verstanden.
Ich hab den Herrgott noch nie gesehen, aber das muss ein sehr fleißiger Mann sein, der alles richtet. Wenn die Heizung kaputt ist, das Essen anbrennt oder die Bluse von der Oma einen Knopf verliert, sagt der Opa, der Herrgott wird's schon richten. Die Mama sagt, dass der Opa das nur sagt, weil er keine Lust hat, sich um irgendwas zu kümmern. Der Papa sagt, dass der Opa nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Aber das glaub' ich beides nicht. Ich hab nämlich im Schrank nachgeschaut und da sind noch alle Tassen drin.
Wenn was passiert und der Opa sagt, der Herrgott wird's schon richten, dann ruft die Oma den Im-Stall-Atör an oder macht ein neues Essen oder näht den Knopf wieder an. Und dabei schimpft sie, dass der Herrgott gar nix richtet und dass man alles selber machen muss. Die Kimi macht's der Oma immer nach, rennt hinter der Oma her und schimpft auch.
Einmal wollt' ich meine roten Lieblingssocken anziehen. Aber in einem Socken war ein Loch. Weil ich nicht wollt', dass die Mama schimpft, bin ich zum Opa gegangen, weil der Opa schimpft nie.
Ich hab dem Opa meinen Socken gezeigt. Der Herrgott wird's schon richten, hat der Opa gesagt. Also hab ich gewartet, dass der Herrgott meinen Socken stopft. Hat er aber nicht gemacht. Eine Woche hab' ich gewartet, dann war ich bös'!
Die Oma hat uns an dem Tag warme Milch machen wollen, aber die Milch ist übergelaufen. Wie der Opa das gesehen hat, hat er gemeint, der Herrgott wird's schon richten. Und die Oma hat die Milch aufgewischt und geschimpft, dass der Herrgott gar nix richtet und dass man alles selber machen muss, Die Kimi hat's der Oma nachgemacht, und weil ich so bös' war auf den Herrgott, hab ich auch mitgetan. Der Opa hat mir erstaunt zugeschaut und mich gefragt, was denn los sei mit mir. Ich hab dem Opa die Socken gezeigt und gesagt, dass ich eine Woche gewartet habe, dass der Herrgott mir den Socken richtet und dass nix passiert ist. Aber Kinderl, hat der Opa gesagt und mir über die Wange gestreichelt, auf der Welt leben sehr viele Menschen, denen der Herrgott allen was richten muss. Und deshalb, hat der Opa gesagt, muss man manchmal warten, weil der Herrgott wichtigere Sachen richten muss als so eine Kleinigkeit wie meinen roten Lieblingssocken. Da war ich nimmer bös'.
Die Oma hat dann später meinen Socken gestopft und dabei geschimpft, dass der Herrgott gar nix richtet und dass man alles selber machen muss. Und da hab ich dann kapiert: Wahrscheinlich hat der Herrgott, wenn er mit dem Richten gar nimmer zamkommt bei so vielen Menschen, für Kleinigkeiten die Oma. Und die Oma weiß gar nicht, dass der Herrgott so viel zu tun hat, darum schimpft sie immer.
Die Kimi hat sich, ebenfalls schimpfend mit meinem anderen Socken, der gar nicht kaputt war, neben die Oma gesetzt. Ich hab der Kimi den Socken weggenommen, damit der nicht auch noch kaputt wird, und hab dabei gedacht: „Hat der Herrgott ein Glück, dass er die Oma hat!"
Paralleltext zu Alois Brandstetter „Der Vater"
Autor / Quelle: Helmut Meisl (Bericht und Fotos)
Beitrag online bis 31.1.2012 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (18.11.11 - 31.12.11 - ) / 3186 / 694
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