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Foto: Pastoralassistent Mag. Jonathan R. Werner
29. Januar 2012 Vierter Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B 1. Lesung: Deuteronomium 18,15-20 2. Lesung: 1. Korinther 7,32-35 Evangelium: Markus 1,21-28
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29. Januar 2012 - Vierter Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr B
In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.
„Die Menschen waren sehr betroffen von der Lehre Jeus; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.“
Man kann sein Leben lang Texte – besonders heilige Texte – lesen, studieren und auswendig lernen und doch ihren Inhalt, das was sie sagen wollen, an sich vorüberziehen lassen, ohne es zu internalisieren. Schriftgelehrte, sind Menschen, die sich bemühen einen Text zu verstehen und zu entschlüsseln und die für sich eine ganz bestimmte Deutung des Textes gefunden haben. Das allein ist nicht problematisch. Problematisch wird es dann, wenn diese Deutung als absolut gilt und keine andere Deutungsvariante mehr zu lässt. Dann, wenn ich glaube, nur so wie ich die Sache verstehe, nur so und so allein, könne oder dürfe sie von allen anderen Menschen auch verstanden werden. Jesus, ist zwar gelehrt, was die heilige Schrift betrifft, das zeigt seine Unterhaltung mit den Ältesten im Tempel, als er zwölf Jahre alt war, aber Jesus ist in dem eben beschrieben Sinne kein „Schriftgelehrter“.
Warum ist Jesus anders? Warum macht er Menschen betroffen? Warum spüren sie in seiner Nähe die göttliche Vollmacht?
Jesus lebt nicht nur voll und ganz das, was er verkündet, Jesus lehrt vor allem aus dem Geist Gottes heraus und mit dem Geist Gottes. Der Geist Gottes ist jedoch lebendig und vielfältig. Diesem Leben und dieser Vielfalt gilt es gerecht zu werden. Das heißt: Man kann nicht einfach „alle über einen Kamm scheren“. Man muss den Geist Gottes in den unterschiedlichsten Lebenswirklichkeiten und Lebensdeutungen der Menschen suchen und kann ihn dort finden. „Einheit“ im Glauben und im christlichen Leben ist nicht „Gleichheit“, sondern das Gründen auf Christus und das Leben aus dem Geist. Wer sich stattdessen auf Schriften gründet, der steht in der Gefahr ungerecht zu werden. Ich muss mich immer neu ausrichten auf den göttlichen Geist und ihn immer neu suchen, denn er war nicht nur zur Zeit Jesu real, er ist es heute auch, mitten unter uns, mitten in uns. Die Geschichte Gottes mit den Menschen ist nicht abgeschlossen, und gerade deshalb reicht es nicht „Schriftgelehrter“ zu sein, zu wissen, was in Bibel, Katechismus und Kirchenrecht geschrieben steht. Ohne den Geist, bleibt der Buchstabe tot und wird im schlimmsten Fall zur Quelle von Intoleranz und Fundamentalismus.
Den Auftrag und das Vermögen aus dem Geist Gottes zu lehren, mit göttlicher Vollmacht, den gibt Jesus an seine Jünger und damit an uns weiter.
Wir Christen, besiegelt mit dem Heiligen Geist, sind die Erben Jesu – nicht die Erben der Schriftgelehrten, das sollten wir nicht vergessen!
Und: Wir Christen, besiegelt mit dem Heiligen Geist, sind die Erben Jesu – wir Alle!
Pastoralassistent Mag. Jonathan R. Werner
Autor / Quelle: Pastoralassistent Mag. Jonathan R. Werner / Bergmoser + Höller Verlag Aachen
Beitrag online bis 26.2.2012 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (26.1.12 - 02.02.12 - ) / 3228 / 139
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