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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
Diese Seite als Druckausgabe


Ist Weihnachten schon vorbei? In den Kirchen und Häusern sind die Tannenbäume und Krippen schon abgeräumt. Trotzdem gehört dieser Sonntag noch in den Weihnachtsfestkreis. Das letzte große Weihnachtslicht fällt auf diesen Sonntag. Und das mitten aus der Bedrängnis, die der Seher Johannes auf der Insel Patmos erleidet. Mitten im Leid schreibt er Worte voller Anmut. „Fürchte dich nicht“, beginnt der Vers, auf den der ganze Text hinausläuft. Auch Karl Barth war gewiss: „Es wird regiert!“ Und meint damit den Lebendigen, der die Schlüssel des Himmels und der Hölle hat.





29. Januar 2012 - Letzter Sonntag nach Epiphanias IV

Nicht mehr und nicht weniger als Schicksal der Welt wird Johannes zu sehen bekommen: Was sich in jeder Brust abspielt, aber auch was in den Palästen und in den Hütten geschieht, das menschliche Drama wird er sehen: Verrat, Krieg, Pest, Hagel und Fanatismus.

Ausgelegt!
Bibelwort: Offenbarung 1,9-18

Nichts davon ist uns fremd, aber die Bilderwelt, in der er sieht, ist für uns bizarr und befremdlich. Doch wie anders als im Mythos soll man sagen, was noch kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat? Wie anders als in Bildern hart am Rande des Begreifens soll man das Unbegreifliche erzählen? Der Seher Johannes, der hier eine fast untragbare Last aufgebürdet bekommt, hat unsere inneren Bilder geprägt wie kein anderer. Himmel und Hölle sind in unserer Fantasie mit seinen Wesen gefüllt, und das Szenario der abendländischen Geschichte findet in diesem Buch sein heimliches Drehbuch. Dabei ist es aber zutiefst Evangelium: Christus hat die Schlüssel für Himmel und Hölle, das wird gleich zu Anfang klargestellt, und wer diesen Christus kennt, weiß, dass es nur ein Happy End geben kann. Doch wer diesen Christus kennt, weiß auch, dass der Weg dahin ein blutiger, schmerzhafter und anstrengender sein wird. Darin hat dieses Buch seine Wahrheit: Die sieben Sterne, die sieben Gemeinden sind die ganze Welt in seiner Hand. Am Ende hat dieses komplizierte und oft geradezu wilde Buch eine schlichte, ganz kindliche Botschaft. Er hält die ganze Welt in seiner Hand.

Roland Kupski





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 11.2.2012 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (26.1.12 - 02.02.12 - ) / 3229 / 52