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 © Helmut Meisl

 Evangelische Gemeinde
Diese Seite als Druckausgabe


Man klopft sich nicht auf die eigene Schulter, könnte man die Gedanken des Jeremia heute ausdrücken. Niemand kann etwas dafür, was er oder sie weiß und ist. Was ich bin, bin ich aus Gnade, sagt Paulus. Der wahre Weise weiß darum, dass er begnadet ist.
Gott gefällt, wenn einer sich nicht seiner selbst rühmt, sondern die Gnade preist. Dazu lebe ich: Um Gott die Ehre zu geben.





5. Februar 2012 - Septuagesimae IV

„Eigenlob stinkt!“ – sagte ein Schüler, als ein Klassenkamerad das Lob für ein gelungenes Referat voll auszukosten versuchte, indem er der Klasse recht arrogant mitteilte, welchen Rechercheaufwand er für den Vortrag getrieben hatte.

Ausgelegt!
Bibelwort: Jeremia 9,22-23

Schnell verstand ein anderer das Nichtgesagte: Sollte der Mitschüler nicht zu dick auftragen mit seiner Erklärung, dann musste er die Hilfe eines Erwachsenen beansprucht haben. Entsprechend trocken sein Kommentar: „Wer hat dir geholfen? Deine große Schwester oder dein Vater? Vergiss nicht, dich zu bedanken!“

Den mit Selbstzufriedenheit vorgetragenen Bericht über einen gelungenen pastoralen Dienst hatte die beste Freundin schweigend angehört, streckte danach demonstrativ die Nase in die Höhe, „schnüffelte“ etwas und fragte listig: „Kann es sein, dass Eigenlob keinen Wohlgeruch verbreitet?“ Das ernste Eingeständnis folgte umgehend. Die Frage traf ins Schwarze. Der ehrliche Rückblick verriet den nur geringen Anlass fürs Klopfen auf die eigene Schulter. Die wirklich nötigen und abrufbaren Fach- und Menschenkenntnisse allein hätten jenem Einsatz nicht den guten Verlauf beschert. Natürlich hörte ich die lobenden Worte am Ende gern. Das darf sein. Die Bemerkung der besten Freundin sorgte dafür, die Dinge ins Lot zu bringen. Mit den Worten des Propheten Jeremia: „Dessen rühme sich, wer sich rühmt: zu begreifen und mich zu erkennen, dass nämlich ich, Gott, Güte, Recht und Gerechtigkeit auf Erden wirke.“

Gundula Kühneweg





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag, Aachen

Beitrag online bis 16.2.2012 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (2.2.12 - 09.02.12 - ) / 3232 / 76