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Der Mensch ohne Mitmenschen ist kein Mensch, sondern das Gespenst des Menschen. (Karl Barth)
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27. Oktober 2002 30. Sonntag im Jahreskreis
25.10.2002: Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.
Firmunterricht mit Jugendlichen. „Liebe dienen Nächsten wie dich selbst, lehrt die Bibel. Was heißt das für euch?“, frage ich die Runde. „Man soll dem anderen alles gönnen, was er hat“, sagt einer. „Man soll die anderen mögen“. „Man soll“, so fangen alle Antworten an. „Ich kann A. aber nicht mögen, die geht mir tierisch auf den Senkel, weil sie überhaupt nichts blickt“, macht plötzlich ein Mädchen dem Ärger über eine andere Jugendliche Luft. A. bekommt tatsächlich nur wenig mit, aber das kann nicht der Grund dafür sein, dass T. so ausrastet. A. sieht zu T. hinüber, sagt aber kein Wort. Was wird jetzt passieren? Für Augenblicke sieht es nach Gruppenbildung aus. Einer versucht zu vermitteln. Bald ergreift ein Mädchen das Wort: „Es heißt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Bedeutet das eigentlich auch, dass ich mich selbst nicht leiden kann, wenn ich andere hasse? Und wenn ich die, die mir nahe sind, also jetzt zum Beispiel N., die neben mir sitzt, gerne mag, dann sagt das auch etwas über die Liebe zu mir selber aus?“ Es folgt ein intensiver Gedankenaustausch – T. entschuldigt sich bei A. Die These der Jugendlichen möchte ich Ihnen zum Nachdenken anbieten: In der Begegnung mit anderen zeigt sich, ob man sich selber liebt oder ablehnt. Lieben Sie sich selbst? – Wirklich?
Autor / Quelle: Gundula Kühneweg
Beitrag online bis 8.11.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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