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 © Helmut Meisl

 Haus Mirjam
Diese Seite als Druckausgabe







Hilfe für mißhandelte Frauen und Kinder

Das Magazin "Der Salzachtaler" berichtet über das "Haus Mirjam" unter der Leitung von Sr. Adele.

In der Halleiner Ferchlstraße, gleich neben der Kirche, steht ein idyllisches Altstadthaus, in dem aber auch viel Leid zugegen ist. Frauen und Kinder, von Gewalt und Mißhandlungen schwer gezeichnet, finden hier für einige Zeit ein sicheres Zuhause. Das "Haus Mirjam" ist seit sieben Jahren Zufluchtsstätte für diese bedauernswerten Geschöpfe mit blutenden Herzen, die erst wieder lachen lernen müssen.

Und Schwester Adele mit ihrem Team ist es, die die Mißhandelten wieder in ein halbwegs normales Leben zurückführt. Die Leiterin des "Hauses Mirjam" ist die 51-jährige Schwester Adele Fercher. Die in Obervellach geborene Kärntnerin wurde als Kindergärtnerin ausgebildet, ehe sie 1967 den Halleiner Schulschwestern beitrat und 1968 nach Hallein kam, wo sie bis 1991 im Elisabethinum, dem weithin bekannten Kindergarten der Schulschwestern, tätig war. Das "Haus Mirjam" war früher ein Internat der nebenan liegenden Schule und als das Internat geschlossen wurde, fiel das Haus an die Halleiner Pfarre zurück. "Schon im Kindergarten wurde ich immer mehr mit der Not und dem Leid der alleinstehenden Mütter und ihrer Kinder konfrontiert. Ich wollte einen Ort schaffen, wo die Frauen wieder Perspektiven für ihr weiteres Leben sehen", so Schwester Adele. In Dechant Richard Schwarzenauer hatte sie bald einen Mitstreiter gefunden und nachdem auch die finanziellen Voraussetzungen, dank der Kolpingfamilie, geschaffen waren, zog am 5. November 1991 die erste Frau mit ihrem Kind ein.

Seit der Gründung haben hier im Halleiner Pfarrbezirk 111 Frauen zwischen 17 und 50 Jahren sowie 179 Kinder eine sichere Heimstätte gefunden. Der Aufenthalt beträgt rund ein halbes bis ein Jahr, dann können die Frauen und Kinder wieder halbwegs gefestigt das Haus verlassen. Bis sie seelisch wieder in Ordnung sind, dauert es noch zwei bis drei Jahre, weiß Schwester Adele. Und weiter: "Die Frauen und Kinder, die zu uns kommen, haben Gewalt in der schlimmsten Form erlebt. Sie sind verschlossen, haben keinen Freundeskreis, kein Geld und wissen nicht mehr ein noch aus. Oftmals haben sie nicht einmal mehr die Kraft, um zu kochen". Man darf aber nicht nur den Mann alles in die Schuhe schieben, auch die Gesellschaft trägt oftmals ein großes Maß an Mitschuld, so Schwester Adele. Im "Haus Mirjam" bekommen diese geschundenen Geschöpfe dann wieder Selbstwertgefühl und neuen Lebensmut, die Kinder gehen in die Schule und werden liebevoll betreut.

Neben Schwester Adele werken noch Schwester Daniela als Hort-Erzieherin sowie stundenweise eine Lebens- und Sozialberaterin, eine Kinderbetreuerin, eine Sozialarbeiterin, eine Psychotherapeutin, ein Buchhalter sowie eine Haushaltshilfe, die den Frauen wieder kochen lernt.

Das kostest natürlich alles sehr viel Geld, die Landesregierung überweist einen Pauschalbetrag und die aufgenommenen Frauen müssen einen kleinen Beitrag leisten. Damit wird aber nicht das Auslangen gefunden, sodaß Spenden aus der Bevölkerung das Überleben dieser großartigen Einrichtung sichern müssen. "Ich möchte mich auf diesem Wege einmal ganz herzlich für die Unterstützung aus der Bevölkerung bedanken, wir sind froh über jeden Schilling", so Schwester Adele. Es wird aber auch versucht, so weit finanziell möglich ist, die Kinder an Schulveranstaltungen und einfachen Freizeitgestaltungen teilhaben zu lassen sowie den Frauen bei der neuen Hausstandsgründung mit einem kleinen Beitrag zu helfen.

Und wie verkraftet Schwester Adele tagtäglich das Leid und das Wissen, daß es mit Gewalt, Mißbrauch und Mißhandlungen immer schlimmer wird? "Ich mache es aus Glaubensüberzeugung und sehe es als meine Lebensaufgabe an, jenen zu helfen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Außerdem sind wir ein gutes Team und stärken uns gegenseitig". Kraft holt sich die Kärntnerin, der Hallein zur zweiten Heimat geworden ist, beim Wandern, Musikhören und "beim Reden mit den Leuten".





Autor / Quelle: Josef Wind

Beitrag online bis 10.2.2005 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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