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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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O Gott, wenn ich dich aus Furcht vor deiner Hölle anbete, so verbrenne mich in deiner Hölle, und wenn ich dich deines Paradieses wegen anbete, so verschließe mir dessen Tür. Aber wenn ich dich nur deiner selbst willen anbete, dann beraube mich nicht des Schauens deines Angesichts.
(Rabi’äh Al’-Adawiya, Mystikerin)



24. November 2002
Christkönigssonntag


22.11.2002: Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.

„Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.“ So singen und bekennen wir gern. Doch ehe wir beginnen, uns allzu sorglos im Licht des großen Königs zu sonnen, mahnt uns der Evangelist, nicht zu vergessen, dass der König in Ewigkeit auch der Richter ist, vor dem sich einst jedermann verantworten muss. Träumen wir also nicht nur vom Königssaal, sondern werfen wir mithilfe des Evangeliums einen Blick in den Gerichtssaal. Fest steht: Der Tag des Gerichts wird für jede und jeden kommen. Und er wird anders verlaufen als alles, was uns je über Verhandlungen aus irdischen Gerichtssälen zu Ohren kommen mag. Unsere Strafgesetzbücher werden dann ebenso wenig eine Rolle spielen wie gewiefte Verteidiger. Einer wird da sein und ohne lange Rede den Weg zur einen oder zur anderen Seite weisen. Nur zwei Sätze stehen im Raum, sind für das Urteil maßgeblich: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“; und: „Was ihr für eine meiner geringsten Schwestern nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.“ Tätige Nächstenliebe: zu essen geben, bekleiden, aufnehmen, besuchen, trösten, beistehen, Frieden stiften. In seinem Leben hat Jesus selbst Beispiele dafür gegeben. Und wer ihm darin nachzufolgen versucht, wird dereinst vielleicht erfahren dürfen, dass Christus Sieger, König, Herr und Richter ist – und vor allem ein großer Erbarmer.




Autor / Quelle: Gundula Kühneweg

Beitrag online bis 6.12.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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