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Grundrissplan des Altarbereiches
Die grosse Länge des Kirchenraumes ermöglicht Distanz vom Nächsten ...
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Die neuen Pläne
Wilfried Kaaser versucht die gegensätzlichen Standpunkte zu versöhnen.
Seit langer Zeit schon wird an und in der Stadtpfarrkirche renoviert: In den Siebziger-Jahren erfolgte die letzte Ausmalung, in den Achtzigern die Neudeckung des Daches, die Sanierung der Fassade und der Fenster. Zusammen mit einer geplanten Erneuerung und Sanierung des Fußbodens und der Bänke wurde in den Neunziger-Jahren nach einer neuen Lage des Altares gesucht: Der Volksaltar aus dem Jahr 1980 wurde als zu weit von den Gläubigen entfernt empfunden, der Priester war nicht gut sichtbar, der Platz im Presbyterium zwischen Hochaltar, Chorgestühl und Kommunionbänken war beengt.
Es gab mehrere Vorschläge, den Altar näher an das Volk heranzubringen. Einer davon ließ aufhorchen: Warum nicht den Altar direkt in die Mitte der Kirche setzen und die vorderen Bankreihen einfach umzudrehen? Dieser Schritt schien sehr viele Wünsche zu erfüllen: Naher Kontakt des Priesters mit der Gemeinde, der Altar im Zentrum, niemand zu weit entfernt. Zur Erprobung und als Anschauungsmodell wurde diese Lösung vor fünf Jahren eingeführt. Seither gibt es darüber heftige Auseinandersetzungen. Die Kirche sei zerstört worden, diese Lösung sei unschön und widerspreche der Form des Kirchenbaus, zu wenige Leute hätten einer derartig tiefgreifenden Veränderung zugestimmt, hieß es. Auch der Erzbischof war dagegen. Im ganzen Tennengau wurden Unterschriften dagegen gesammelt.
Der Altar in unserer Kirche bewegt die Menschen, er fordert zum Nachdenken und Überlegen heraus. Viele haben dazu eine Meinung, auch wenn sie die Kirche vielleicht nur selten besuchen, und fordern Gehör. Die Argumente bewegen sich in verschiedenen Ebenen, und es gibt überall ein Für und Wider.
Die Ebene der Architektur Der Kirchenbau ist nach vorne zentriert, zum Hochaltar hin. Die jetzige Versuchs-Lösung bewirke eine Zerstörung der Raum-Ästhethik. Hochaltar und Presbyterium seien zu einem unnützen Anhängsel degradiert. Andererseits: Änderungen an und in Kirchenbauten sollen immer möglich sein, wenn es der Gemeinde zuträglich ist. Neue Zeiten, neue Einstellungen brauchen neue Formen.
Die Ebene der Tradition In der Kirche, wie sie früher war, haben viele Halleiner in den Jahrzehnten ihres Lebens Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, frohe und traurige Ereignisse gefeiert. Sie fühlen sich jetzt nicht mehr zuhause. Viele möchten auch nicht gerne relativ weit vorne und den anderen Gottesdienst-Besuchern gegenüber sitzen. Andererseits: Manchen gefällt die neue Anordnung der Sitzbänke, sie fühlen sich mehr in der Gemeinschaft intergriert und können gut mitfeiern. Unser Lebensstil hat sich in vielem gewandelt und verändert, warum nicht auch in der Kirche? Und viele alte Halleiner Häuser wurden und werden auch nach neuzeitlichen Erfordernissen umgebaut und saniert.
Die Ebene der Gemeinde-Theologie Die Gemeinde der Christen ist eine Gemeinde von Geschwistern, wo jeder gleich und willkommen ist. Christus ist ihr Zentrum, und er ist unter uns gegenwärtig in seinem Wort (deshalb die Bedeutung des Lesepultes), in der Feier des gemeinsamen Mahles (deshalb ist der Mittelpunkt ein Tisch, nicht ein riesiger Opfer-Altar), und in der Gemeinschaft der Glaubenden selbst. Der Priester hat ein Amt, er leitet eine Gemeinde, ist aber nicht ihr Beherrscher. Deshalb ist ein Altar in der Mitte sicher am passenden Ort und drückt das Wesentliche aus. Andererseits: Es gibt auch die Frage der Zweckmäßigkeit, und was in kleinem Rahmen bei einer Hausmesse oder in einem Pfarrsaal selbstverständlich ist, muss nicht auch in einer großen Kirche zweckentsprechend sein. Und Christus bleibt in unserer Mitte, auch wenn der Altar vorne wäre.
Die Ebene der persönlichen Einstellungen und Vorlieben Hier spielen sich wohl die intensivsten, manchmal schmerzlichen Auseinandersetzungen ab. Pfarrer Schwarzenauer hat viele Halleiner geprägt und aktiviert, der Versuch mit dem Altar in der Mitte war auch sein Favorit. Hier mittun zu können, etwas Neues zu versuchen, einen mutigen Schritt in die Zukunft zu wagen, das hat viele begeistert. Von Seiten des jetzigen Pfarrers Schreilechner war jedoch zu hören, dass er sich mit der Lage des Altares keineswegs wohlfühlt, ihm bei Gottesdienstfeiern das Gegenüber durch die Gemeinde fehlt, ihm die derzeitige Gestaltung nicht gefällt. Nicht-Gefallen, sich nicht Wohlfühlen, sich nicht Daheim-fühlen in der Kirche: Das ist von vielen zu hören. Wohl aber gibt es auch Gemeinde-Mitglieder, die es schätzen, in der Kirche die anderen nicht nur von hinten, sondern auch von vorne zu sehen, näher beim Altar zu sein und die gerne die Gottesdienste mitfeiern. Der Verlauf der bisherigen Diskussion hat aber auch gezeigt, dass viele sich überrumpelt und nicht ernst genommen fühlen, dass sie den Eindruck haben, Mitbestimmung und Demokratie kämen in der Kirche auch in den Fällen zu kurz, wo sie möglich und notwendig wären. Diese Vorwürfe kommen jedoch sowohl von den Befürwortern, als auch von den Gegnern der derzeitigen Lösung: Ein Hinweis, dass sehr viel mehr informiert und miteinander geredet werden muss.
Es gibt nun eine Lösung für die Halleiner Kirche, vertreten von Pfarrer und Pfarrgemeinderat, die man auch als Kompromiss sehen könnte. Der Altar soll wieder nach vorne rücken, vor den Hochaltar, aber viel näher dem Kirchenraum als früher. Das Presbyterium wird in den Kirchenraum hinein vergrößert, die Kommunionbank zum Hochaltar hin verschoben, davor die Sitze für Priester und Ministranten, und der Altar sowie Ambo werden vorne errichtet. Das Ergebnis wird sein: Der Altar ist wieder vorne, aber näher den Gläubigen als früher; der Priester ist gut zu sehen und zu hören, ein Mitfeiern wird gut möglich sein. Das Innere der Kirche erhält wieder den seit jeher gewohnten Gesamteindruck.
Wir hoffen von Herzen und bitten, dass diese Lösung die Zustimmung der Pfarrgemeinde findet, dass Sie sich vielleicht sogar darauf freuen, die Kirche bald wieder in alter, aber erneuerter Gestalt zu sehen. Und dass alle, die dem Altar in der Mitte vermissen, der geplanten Neugestaltung doch zustimmen und die positiven Seiten daran sehen können.
Autor / Quelle: Wilfried Kaaser (Pastoralassistent Pfarre Hallein)
Beitrag online bis 31.3.2006 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (19.2.05 - 19.02.05 - ) / 368 / 495
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