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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
Diese Seite als Druckausgabe




Wir werden von einem Leiden nur geheilt, indem wir es bis zum Letzten auskosten.

Marcel Proust



16. Februar 2003
6. Sonntag im Jahreskreis


Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein.

„Erzähl niemand etwas davon!“ – schärft Jesus dem geheilten Aussätzigen ein. Warum diese Geheimnistuerei? Hat Jesus etwas zu verbergen? Ist etwas „faul“ an seinem Heilungswunder?
Ein Blick in die damalige Zeit gibt uns Klarheit: Palästina war zur Zeit Jesu ein von den Römern besetztes Land. Unterdrückt sein, diese Erfahrung war für die Israeliten nichts Neues. Immer wieder wurden sie im Laufe ihrer Geschichte brutal unterdrückt und von fremden Machthabern beherrscht. Aber immer wieder machten sie auch die Erfahrung, dass sie das von Gott auserwählte Volk sind. Sehnsüchtig und ungeduldig warteten sie deshalb auf den Tag, an dem endlich ihr Befreier und Retter kommt. Die meisten Juden dachten dabei an einen groß angelegten militärischen Sieg.
Deswegen war kein anderes Land so anfällig für Aufstände und politische Unruhen. Sehr häufig kam es vor, dass sich selbst ernannte Anführer erhoben und Hoffnungen weckten – aber kurze Zeit später von den mächtigen Römern blutig niedergeschlagen wurden. Solche Anführer schadeten dem jüdischen Volk mehr als sie nützten.
Jesus wollte auf keinen Fall in die Reihe dieser politischen Aufrührer gestellt werden. Er wollte nicht, dass sein Einsatz für die Menschen missverstanden oder sogar missbraucht wird. Schließlich baut Jesus mit seiner frohen Botschaft auf die Macht der Liebe und nicht auf die Macht der Waffen. Damals und auch heute – in Israel und überall auf der Welt.





Autor / Quelle: Bergmoser+Höller Verlag / Peter Schott

Beitrag online bis 29.2.2003 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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