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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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„Steh auf und geh umher!“ Für manche mag die Aufforderung Jesu an den Gelähmten blanker Zynismus sein, doch für manchen auch das Wort, das heilt: Sich nicht aufgeben, das Leben wieder selbst in die Hand nehmen, die Erfahrung machen, wie jeder andere gebraucht und geliebt zu werden. Auch ein Wunder.


Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gibt es Liebe für jene, die der heidnischen und gottlosen Welt nutzlos erscheinen und erschienen.

Heinrich Böll

23. Februar 2003
7. Sonntag im Jahreskreis


Weil sie ihn aber wegen der vielen Leute nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.

Wo Stars auftreten, kommt es zu Menschenaufläufen. Egal, ob es sich um den Studenten handelt, der im Quiz die erste Euro-Million gewann, um einen Lebensretter, um erfolgreiche Sportler oder Sänger. „Wir sind stolz, dass dieser Mensch hier daheim ist“, kann man von denen, die am selben Ort wohnen, hören, verbunden wohl mit der heimlichen Hoffnung, ein wenig von seinem Glanze möge auf das eigene Gesicht fallen.
Jesus erging es nicht anders. Seine besondere Fähigkeit, Menschen zu heilen, sprach sich schnell herum. „Heimgekehrt, wird er jetzt bestimmt alle Kranken im Dorf gesund machen. Das schau ich mir an“, mag mehr als einer gedacht und sich dem Pilgerzug zu Jesus angeschlossen haben.
Schon Jesu Worte zu hören – vom Leben, vom keimhaften Anbruch des Gottesreiches –, wird vielen gut getan haben. Einigen ging vermutlich ein Licht auf, als Jesus einen Gelähmten nicht einfach heilte, sondern ihm zuvor sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben“.
Jesu Heilungsvollmacht umfasst ja viel mehr als nur körperliche Genesung. Sie wirkt gerade dort hinein, wo ganz oft der tatsächliche Schaden liegt, der den Körper, den Geist und das Gemüt lähmt.
Das eigentliche Wunder in unserer Geschichte besteht darin, dass einer kommt und Vergebung zusagt. „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Kein Wunder dann, dass, wer `s glaubt, wieder auf die Füße kommt und den Lebensweg getrost zu gehen wagt.





Autor / Quelle: Bergmoser+Höller Verlag / Gundula Kühneweg

Beitrag online bis 7.3.2003 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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