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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Eine Kirche, die nur noch zusammengehalten wird durch ihre Regeln, Gebote und Gesetze, ist wie eine Geisterstadt, wie ein Haus, dessen Fenster zugemauert wurden. Nach außen stabil, doch im Innern kein Leben mehr, kein Licht, niemand, der hinein- oder herausschaut.


Fasten ist wesentlich ein Ausdruck von Traurigkeit, und alle Traurigkeit ist letztlich nur ein Ausdruck des Gefühls, etwas Wesentliches verloren zu haben.

Eugen Drewermann

2. März 2003
8. Sonntag im Jahreskreis


Auch füllt niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren, und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuer Wein gehört in neue Schläuche.

Eine einfache Frage und deine komplizierte Antwort: Alle Welt fastet, nur die Jünger Jesu nicht. Warum? Weil kein Hochzeitsgast fastet, solange der Bräutigam noch da ist. Die Antwort Jesu mag einsichtig klingen, sie provoziert die Zuhörer dennoch. Denn der Bräutigam ist er selber und nur seine Handvoll Jünger scheinen das kapiert zu haben. Jesus als Bräutigam? Wer seine Bibel kennt, findet sich im Bild zurecht. Denn in diesem Jesus wird Gottes Liebe wieder sehr lebendig. Die Bibel ist doch nichts anderes als die Geschichte der Liebe zwischen Gott und Mensch. Eine Liebesgeschichte mit allem, was dazu gehört: Leidenschaft und Hingabe, Tragik und Drama, Eifersucht und Versöhnung. Eine Geschichte mit – noch – offenem Ausgang. Jahwe ist ein guter, treuer Liebhaber, preist schon der Prophet Hosea. Aber seine Braut, das auserwählte Volk, die Kirche, ist ein flatterhaftes Flittchen. Gott und Mensch. In der wahren Liebe ziehen sich Gegensätze an. Verliebte leiden aneinander und miteinander und können doch nicht ohne einander sein. Jesu Leben, Sterben und Auferstehen ist mehr als eine Episode in dieser Geschichte. Ist eher ein Schlüsselkapitel in der Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch. Er lädt uns ein als Hochzeitsgäste mitzufeiern. Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn. Gewiss, es werden auch Zeiten der Trauer und des Fastens kommen. Aber an diesem Sonntag lädt er zum Fest. Seid keine Spielverderber. Lasst den neuen Wein nicht in alten Schläuchen verkommen. Und er lädt ein, es ist ihm ein Vergnügen!




Autor / Quelle: Bergmoser+Höller Verlag / Bernd Kaut

Beitrag online bis 14.3.2003 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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