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Der Satz „Wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein“ darf nicht als Tröstung missbraucht werden für die, die Schuhe putzen. Vielmehr ist ein Satz aus dem gleichen Evangelium ein Tadel an die, welche putzen lassen: „Ihr wisst, dass die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.“
Zwischen dem Herrscher und seinen Untertanen und zwischen Untertanen und Herrscher besteht ein Austausch gegenseitiger Pflichten: Welche drückender und mühseliger sind, wage ich nicht zu entscheiden.
Jean de La Bruyére
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19. Oktober 2003 - 29. Sonntag im Jahreskreis
Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
Wer wollte sich über die beiden Männer ereifern, scheinen sie doch nur unserem Zeitgeist zu huldigen: besser, weiter, höher, ich zuerst und ohne Rücksicht auf die Mitmenschen. Wenn es sein muss, wird halt auch ein bisschen und vor allem heimlich gebuhlt. „Pst, Jesus, wenn du an der Macht sein wirst, besorgst du dann auch uns eine gute Position mit entsprechender Dotierung? Musst ja bei den anderen einstweilen kein Wort darüber verlieren, du bist der Chef und kannst bestimmen, wie und was du willst.“ Ob Jesus die Zornesröte ins Gesicht stieg oder ob es ihm für Momente die Sprache verschlug? Jedenfalls kann ich mir vorstellen, dass diese Begegnung nicht ganz so cool verlief, wie Matthäus sie erzählt. War es bei den anderen möglicherweise Neid, der ihren Ärger über das Ansinnen der beiden „Mit-Schüler“ hervorrief, so dürfte Jesus enttäuscht gewesen sein. Der Wunsch seiner Schüler verrät zu deutlich, wie gründlich missverstanden sie ihren Lehrer haben. „Bei euch soll es nicht so sein.“ Wie oft mag Jesus eine Unterweisung mit diesen Worten begonnen haben. Besser, weiter, mächtiger, einflussreicher – das entspricht nicht seiner Denk- und Lebensweise. Dadurch machen sich Menschen das Leben nur gegenseitig zur Hölle. Jesu Lehre lautet ganz anders: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein.“ Vielleicht klingt die Frage ja verwegen, aber: Wie sähe wohl unsere Gesellschaft aus, würden wir im privaten und beruflichen Alltag, in Handel und Wirtschaft, in Staat und Kirche dieser Lehre folgen?
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Gundula Kühneweg
Beitrag online bis 31.10.2003 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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