Diese Seite als Druckausgabe
Maria und das Jesuskind (Krippe der Stadtpfarrkirche Hallein)
Vermächtnis der Hirten
Traut dem Leben, weil diese Nacht das Licht brachte. Traut dem Leben, weil wir es nicht allein zu leben haben, da Gott es fortan mit uns lebt.
Nach: A. Delp
|
Weihnachten 2003
Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; es ist der Messias, der Herr.
Evangelium in der Heiligen Nacht: Lk 2, 1-14
"In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; es ist der Messias, der Herr."
Vorhergesagt und verkündet wurde das Erscheinen des Messias seit urdenklichen Zeiten. Von den Patriarchen und Propheten des Alten Bundes hören wir: Gott selber wird kommen, uns zu erlösen, er wird uns das Heil bringen! Und als die Zeit gekommen war – in welcher Bescheidenheit und Armut, gering und fast versteckt erfüllt sich die Verheißung: Ein neugeborenes Kind im Stall – der Heiland der Welt! Nicht in den Palästen der Reichen und Mächtigen, nicht in den Zentren der Welt wird die gute Nachricht verkündet. Arme Hirten sind die ersten, welche die frohe Botschaft hören dürfen. Diese Hirten von Bethlehem sind uns ans Herz gewachsen, in vielen Liedern und Hirtenspielen treten sie auf. Es ist nicht nur die Freude am Verkleiden, nicht nur der Wunsch nach dem Ein-Anderer-Sein, der Kinder und Erwachsene jedes Jahr das Weihnachtsgeschehen nachspielen lässt. Offensichtlich wird in der Tiefe unserer Seele etwas geweckt, das sonst das Jahr über im Verborgenen schlummert. Weil nicht alle Maria oder Josef spielen können und wollen, bleibt für die große Menge die Rolle der Hirten. Sie wird gern angenommen: „Ob Pfarrer, Doktor oder Wirt- zu Weihnacht sei ein frommer Hirt!“ Einst waren die Hirten Menschen am Rande, außerhalb der Siedlungen, ohne großes Ansehen, mit geringer Bildung, mit eher rauen Umgangsformen, aber Menschen mit einem hohen Lebenswissen und einem gesungen Gespür für die wirklich wichtigen Dinge. Sie durften – so sagt es das Lukas-Evangelium – stellvertretend für das Volk Israels und die ganze Menschheit als die Erstgerufenen zur Krippe kommen. Vielleicht ist es dieses aus dem Alltag heraus Gerufenwerden, was an den Hirten fasziniert. Die Hirten heute – wo würde sie der Engel finden? Wohl unter den Menschen am Rand unserer Gesellschaft, unter Außenseitern und Zu-kurz-Gekommenen. Die Behinderten; diejenigen, die wir abwertend „Sandler“ nennen; die Alten, die oft als Belastung gesehen werden; die Kinder, die mit materiellen Dingen überschüttet werden und dabei doch nur Zeit und Zuwendung bräuchten; die Immigranten, denen vorgegaukelt wird, bei uns herrschten paradiesische Zustände zum Nulltarif; die Frauen, die sich in schlechterbezahlten Berufen kaum über Wasser halten können; die Arbeitslosen; die Süchtigen; usw, usw. Aber zu diesen Hirten, zu diesen Berufenen, zu den Hörern der frohen Botschaft gehörst heute auch Du, gehören auch Sie! Was können uns „Hirten der Gegenwart“ die Hirten von damals vorzeigen? Sie machten sich auf; sie fanden das Kind; sie erzählten von diesem Kind! So möchte ich allen „Hirten des Jahres 2003“ als Weihnachtsgruß und -wunsch mitgeben: Diese Botschaft von Weihnachten möge uns ergreifen, aufrütteln, „elektrisieren“! Das Kind, den Gott-Menschen Jesus trotz vieler Geschenke, Betriebsamkeit und prunkvollen Rahmens nicht übersehen! Den Mut aufbringen, kundzutun, was uns dieses Kind Jesus Christus bedeutet – in unserem Leben, in unseren Familien, in unserer Welt!
Autor / Quelle: Pfarrer Johann Schreilechner, Hallein
Beitrag online bis 6.1.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 15 ( - - ) / 659 / 289
|