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Ein Jahr Friedenseinsatz im Kosovo
Diavortrag von und mit Major Gottfried Gamsjäger im Evangelischen Pfarrzentrum Hallein am 11. März 2004 um 19:30
Nach 18 Jahren im Gendarmeriedienst hier in Österreich suchte ich eine Herausforderung, die ich bei einem Polizeieinsatz für die UNO im Kosovo fand. Nach einer heiklen Überprüfung meiner Englischkenntnisse und der körperlichen und geistigen Eignung war es am 11. September 2002 soweit. Im Gegensatz zum militärischen Einsatz stellt der Polizeieinsatz im Kosovo einen Schritt zur zivilen Normalität dar. Dementsprechend sind wir Gendarmen nicht in Kasernen oder „Militärcamps“ untergebracht, sondern müssen uns unsere Unterkunft selbst suchen. Ich fand eine Bleibe in der serbischen Enklave Gracanica bei netten älteren Vermietern. Die Ausstattung der Räumlichkeiten war sehr einfach - ohne Heizung im Zimmer. Täglich wurde immer wieder der Strom ausgeschaltet (3 Stunden an, 3 Stunden aus) auch das Wasser wurde rationiert. Diese Situation war am Anfang sehr belastend, aber man gewöhnte sich daran. Ein Holzofen in der Küche war im Winter sehr hilfreich und wärmte mich vor dem Schlafengehen im eiskalten Zimmer. Für unser leibliches Wohl sorgten wir uns meist selber. Ab und zu besuchten wir auch ausgewählte Restaurants. Die Bewohner des Kosovos (Majorität sind Albaner, Minoritäten sind Serben Roma, Ashkali und Türken) sind vom Krieg noch gezeichnet. Der ethnische Konflikt zwischen allen Gruppen ist noch nicht überwunden. Die Lage ist nach wie vor ge-spannt. Sobald eine Beruhigung erkennbar ist, passiert etwas (ein Mord oder eine Handgranate explodiert) und alle Gruppen beschuldigen sich gegenseitig als „Brandstifter“. Militär und Polizei haben dann wieder allerhand zu tun, um Eskalationen zu verhindern. Nach solchen Rückschlägen ist jeder bedrückt und ich bemerkte es auch bei mir selber, wie ich immer wieder nahe daran war die Hoffnung aufzugeben. Zuversicht kommt aber wieder auf, wenn man mit den Menschen spricht. Jede Familie hat Opfer durch den Krieg zu beklagen, trotzdem oder gerade deswegen wird der Wunsch nach einem normalen geordneten Leben immer größer. Als Außenstehender ist es schwer eine Schuldzuweisung zu machen, die Aufarbeitung der Geschehnisse wird daher allen Beteiligten Gruppen nicht erspart bleiben. Die Politik ist auf alle Fälle gefordert. Meine Arbeit als Gendarm im Kosovo war äußerst interessant. Polizisten aus 56 Nationen waren für die UNO im Kosovo. Nigerianer, Amerikaner, Inder, Engländer, Franzosen sogar Philippinen und viele andere Nationen waren Bestandteil dieses Völkergemisches. Gemeinsam versahen wir auch unseren Dienst, wobei gleichzeitig eine kosovarische Polizei aufgebaut und geschult wurde. Trotz der Vielfalt der Nationen gab es kaum größere Probleme. Der Beruf in der Fremde scheint die Menschen zusammenzuführen, wobei da und dort verschieden Meinungen über Polizeiarbeit sicherlich besprochen wurden. Nach einem Jahr im Kosovo - die Zeit verging wie im Flug, kann ich für mich eine positive Bilanz ziehen. Einerseits bin ich froh in Österreich leben zu dürfen. Ich kann mir nun etwas mehr vorstellen wie schwer der Aufbau hier in Österreich nach dem Krieg gewesen sein muss. Aber genau das gibt mir die Zuversicht, dass auch im Balkan der Frieden Einkehr finden wird. Andererseits habe ich so viele nette Menschen aus so vielen Nationen kennen gelernt, dass es schwierig ist den Kontakt aufrecht zu erhalten. Alles in allem bereue ich diesen Schritt nicht und trage mich auch mit dem Gedanken wieder einmal einen UNO Einsatz mitzumachen. Voraussetzung dafür ist natürlich das Einverständnis meiner Familie.
Gottfried Gamsjäger ist Presbyter der evangelischen Gemeinde Hallein und im Zivilberuf Major der Österreichischen Gendarmerie.
Autor / Quelle: Gottfried Gamsjäger
Beitrag online bis 11.3.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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