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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
Diese Seite als Druckausgabe


Prof. Dr. Anton Bucher referierte zum Thema Jugend


"Hausherr" PA Joseph Obereder begrüsste die Gäste im ehemaligen Jugendzentrum im Pfarrzentrum Neualm und berichtete einleitend auch über die bewegte Geschichte dieses Zentrums



Wenn Kinder und Eltern schwierig werden

Eine ganze Menge Interessantes über Jugendliche konnten die Erwachsenen beim ersten Abend der Fastenaktion erfahren.

Wie Erwachsene mit Jugendlichen umgehen, hängt zuallererst davon ab, welches eigene Bild von der Jugend sie haben bzw. welche Vorurteile der Jugend gegenüber dominieren. Es gibt nach wie vor viele "gute Jugendliche", sehr oft aber wird von den Massenmedien aber lediglich ein Negativbild gezeichnet, da Extreme für die Auflage und die Quoten mehr hergeben. Wie sehr die Presse hier die Fakten verfälscht, hob Buchner an einem Beispiel hervor: Es gibt in Österreich eine verschwindend kleine Anzahl im Promillebereich der Jugendlichen als Punks, aber immer noch gut 35% der Jugendlichen sind in caritativen Organisationen wie Bergrettung, Feuerwehr, Rettung usw. tätig. Welche der beiden Gruppen öfter in der Presse vorkommt, kann jeder für sich selbst einfach beurteilen.

Die "heutige Jugend" hat es in vielen Belangen deutlich schwerer als frühere Generationen. Zum einen dauert die Jugendzeit länger, sie beginnt oft schon mit 12 bis 13 Jahren (die Pubertät ist jene Zeit, in der "Eltern und Kinder schwierig werden") und zum anderen ist auch die Zeit der Schulausbildung immer länger geworden. Dazu kommt derzeit die besonders tragische Situation, dass viele Jugendliche nach intensiver Schul- und Berufsausbildung nur sehr schwer einen Arbeitsplatz bekommen und sich so oft wertlos empfinden und nicht leicht positive Perspektiven erkennen können.

Viele Vorurteile beherrschen die Meinung über Jugendliche: Sie haben nur Fun, Vergnügen, Genuss, Konsum, Macht und Geld im Sinn. Seriöse Untersuchungen widerlegen diese Vorurteile und halten die tatsächlichen Prioritäten der Jugend fest: Gute Freunde, Selbstzufriedenheit, eine Welt ohne Krieg und ein harmonisches Familienleben - auch in der Pubertät - stehen ganz oben auf der Liste der wahren Bedürfnisse und Wünsche.

Immer wieder bestätigt sich die durchaus nicht neue Behauptung, dass ganz besonders Vorbilder für die Jugendlichen von Bedeutung sind, wobei bei diesen speziell auf die Glaubwürdigkeit geachtet wird. Eltern und Großeltern stehen da an erster Stelle, bekannte und berühmte Persönlichkeiten liegen weit abgeschagen.

Abweichend vom "Wunsch" der Erwachsenen stellt sich auch die Jungend-Sicht der Religion dar. Religiosität ist für die heutigen Jugendlichen mehr als Kirchlichkeit und beschränkt sich nicht auf einen Gottesdienstbesuch am Sonntag. Viel wichtiger als "religiöse Gewohnheiten" sind für die Jugend die Glaubwürdigkeit als Christ im Alltagsleben, wobei für ein gelungenes christliches Leben der Zusammenhalt in der christlichen Gemeinschaft durchaus von Bedeutung ist.

Zum Abschluss hat Prof. Bucher noch einige konkrete Tipps für die anwesenden Erwachsenen im Umgang mit Jugendlichen parat:
  • Sich selbst ein positives Bild über die Jugend verschaffen
  • Keinen Zwang ausüben; der bewirkt allzuoft das Gegenteil
  • Als Eltern und Vorbilder glaubwürdig leben
  • In der Familie das Gespräch über religiöse Themen auch mit den Jugendlichen suchen und sich dem Thema stellen
  • Für jugendgerechte Angebote in Pfarrgemeinde und Liturgie den Platz schaffen
  • Die Grenzen der erzieherischen Arbeit annehmen und zur Kenntnis nehmen, dass Eltern und Erwachsene Jugendliche zwar begleiten sollen und können, sie aber nicht beliebig nach ihrem Wunschbild formen können und sollen.





Autor / Quelle: Helmut Meisl

Beitrag online bis 31.12.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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