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 © Helmut Meisl

 Fastenaktion
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Dr. Erika Schuster


Lisa Budimaier leitet das Katholische Bildungswerk in Neualm und begrüßte die Besucher beim wohl anspruchsvollsten Abend dieser Fastenaktion

Literaten auf Gottsuche

Einen großen Bogen über die Gottsuche in der Literatur spannte Dr. Erika Schuster beim letzten Vortrag der diesjährigen Fastenaktion im Pfarrzentrum Neualm.

Lange Jahre leitete Dr. Erika Schuster in Wien das "Literarische Forum" und wollte dabei auch den Schnitt im Spannungsfeld Literatur, Theologie und Glaube zu suchen.

Bei ihrem Vortrag in Hallein versuchte sie in der knappen Zeit einen Bogen zu spannen von der Literatur in einer Zeit, in der die Literatur und die Literaten von den jeweils Mächtigen (durchaus auch der Kirche) in den Dienst genommen wurden bis hin in die heutige Zeit, in der die Literaten durchaus in Eigenverantwortung und eigener Entscheidung ihre Gedanken zu Papier bringen.

Mit einer Überfülle an Beispielen konnte sie den Anwesenden die großen Unterschiede ein wenig näher bringen in der Schreibweise und Ausdrucksform der Literatur des vergangenen Jahrhunderts und jener der beginnenden 2000-er Jahre. Um der Inflation des Wortes "Gott" entfliehen zu können schlug Heinrich Böll zum Beispiel einmal vor, man möge eine längere Zeit lang dieses Wort in der Literatur einfach nicht mehr verwenden. Böll fand es auch für unmöglich, wenn Politiker bei ihren Reden immer wieder das Wort "Gott" verwenden, ohne sich auch nur im geringsten Gedanken darüber zu machen, was das eigentlich bedeuten sollte.

Die neu gewonnene Freiheit im Denken und Schreiben nutzen denn auch viele Literaten dazu, sich der wohl wesentlichsten Fragen im Leben der Menschen anzunehmen: Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? So unterschiedlich Menschen nun einmal sind, so unterschiedlich fielen selbstverständlich auch die Auseinandersetzungen der Schriftsteller und Autoren aus. Dass dabei zB. vor ca. 30 Jahren im Zuge der Auseinandersetzungen der "68-er Generation" es bei vielen Literaten zu einer Abrechnung mit den Gottesbildern ihrer Kindheit gekommen ist, hat nicht nur mit der Veränderung im Glaubensleben, sondern vielmehr mit der Veränderung der gesamten Gesellschaft in dieser Zeit ihren Ursprung.

Die Auseinandersetzung mit Gott und Glauben hat verständlicherweise viele Gesichter. Manche Schriftsteller beschreiben einen brutalen und hilflosen Gott, der das viele Leid auf Erden nicht verhindert (zB. die Konzentrationslager und Kriege), andere setzen sich mit den 10 Geboten auseinander, die sie am besten gleich abschaffen wollen, werden sie von den Menschen doch allzu oft völlig falsch verstanden: Nämlich als eine Bedrohung und Einengung und nicht als eine Gabe Gottes, mit der uns ein unsichtbares "Geländer" gegeben werden sollte, um auf diesem Weg unseres Lebens - ohne Schaden an Leib und Seele zu nehmen - bestehen zu können.

Jüngere Schriftsteller schliesslich beschreiben in ihren Werken auch schon einmal ein Bild von einem lebendigen Gott, mit dem man sich über die Fragen des Lebens auseinandersetzen kann und mit dem man auch "ein Glas Wein trinken" kann.

Manche Schriftsteller aus dem ehemaligen Ostblock schreiben sich nach dem Fall des eisernen Vorhangs vom Leibe was sie bedrückt hat, zB. die ungeheure Anmaßung des Kommunismus, den "Himmel" schon auf Erden errichten zu wollen; was daraus geworden ist, zeigt die jüngste Geschichte Europas.

An gemeinsamen Bildern des "Paradieses", das Christen wie Muslime ziemlich gleich zeichnen, gibt es in der jüngsten Literatur hoffnungmachende Beispiele, die von einem friedlichen Zusammenleben zwischen Christentum und Islam im "Garten Eden" erzählen.

Erika Schuster verstand es von Literaten zu erzählen, die ihre Sprache sehr vielfältig und unberechenbar gebrauchen, um über Gott zu reden. Über Literaten, die ihn aussparen und vermeiden, ihn umkreisen, mit ihm streiten, seine Hilflosigkeit bedauern, ihn manchmal brutal niedermachen, ihn aber auch anerkennen - zögerlich und ganz verhalten.





Autor / Quelle: Meisl Helmut

Beitrag online bis 31.12.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (4.1.05 - 04.01.05 - ) / 759 / 321