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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Wenn eine Versuchung an dich herankommt und du sie wahrnimmst, dann mache es wie die kleinen Kinder, wenn sie ein böses Tier, einen großen Hund heranrennen sehen: Sie flüchten sich in die Arme des Vaters oder der Mutter, oder rufen sie zu Hilfe.
(Franz von Sales)

1. Fastensonntag 2002

Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich herab ... Jesus antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

Was hätte Jesus nicht alles werden können. Zimmermann wie sein Vater. Einen anständigen, krisensicheren Beruf hätte er ergreifen können. Krankenpfleger auch, sogar Arzt, denn „er heilte viele“. Er hätte vieles erreichen können. Auch als Lehrer hätte er es zu Ansehen gebracht, sogar die Gelehrten hörten ihm zu. Theologieprofessor, Hohepriester am Tempel zu Jerusalem, ach, fast alles ist ihm offengestanden. Stattdessen geht er lange in die Wüste und kommt als Prophet wieder, als Prediger. Er kommt nicht allein. Der teuflische Verführer Satan will ihn in die Welt einführen, die behauptet, Steine in Brot verwandeln zu können. Brot und Spiele. Cui bono? Wem nützt es, wenn Jesus von der Tempelzinne springt? Denen die ihn brauchen, nützt das wenig. Aber wer braucht ihn noch? Heute. Die Kids? „Ich glaube nichts und mir fehlt auch nichts“. Die Älteren? „Jeder muss sehen, wo er bleibt!“ Und die Alten? „Was kann man denn noch glauben?“ Menschen auf den Wüstenwanderungen ihres Lebens – ratlos. Da begegnen wir dem, der gerade aus der Wüste kommt. Vierzig Tage war er dort wie Noah in der Arche nach der Sintflut und Mose am Fuß des Sinai, bevor er die Zehn Gebote abholte. Satan treibt es auf die Spitze: Wie wär’s mit einem kleinen Wunder? Wären die Kirchen dann voller? Wer Gott begegnen will, muss sich tief bücken können. Weil Gott dort ist, wo Menschen ihn brauchen. Er hat sie erreicht. Hätte er Besseres erreichen können?!




Autor / Quelle: Bernd Kaut

Beitrag online bis 21.2.2002 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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