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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Die Realität aussperren, weil sie nicht zu meinem Denken passt, das Unerwartete nicht wahrhaben wollen – wie sehr kann ich die Jünger verstehen, sitze mit am Tisch.
Herr, komm mit deinem Geist, spreng die verrammelten Türen und Herzen!




Ich kenne deine Sehnsucht, auch wenn du schweigst. Noch bevor du sprichst, weiß ich, was du denkst. Ich hörte dich sprechen, obwohl du mich nicht sahst. Ich war nahe bei dir, bei deinen Zweifeln. Ich ließ dich warten, um deine Ungeduld zu sehen. Ich ließ deine Ungeduld größer werden, um sie größer zu stillen.

Basileios von Seleukia (+ 459)

18. April 2004 - 2. Sonntag der Osterzeit

Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

Worte beim Abschied

Johannes beschließt sein Evangelium mit dem Jesuswort: „Selig die nicht sehen und doch glauben“. Ein Glaube den vorher Thomas zentral ausdrückt: „Mein Herr und mein Gott“. Die gesamte Botschaft des Evangeliums noch einmal ganz einfach für jeden Jünger und jede Jüngerin ausgedrückt. Kyrios (Herr) und theos, (Gott) lebensbestimmend in doppelter Weise: Richtschnur und Einordnung in das Absolute.
Nicht das „leise servus“ des Wienerischen, nicht das adieu, nicht das schtüss, sondern ein kraftvolles Bekenntnis: Du bist mein Gott. Und der Zuspruch Jesu: Alle die das glauben werden selig sein, glücklich sein.
Thomas ist als Ungläubiger in die Geschichte eingegangen - eigentlich zu unrecht: Er sagt das letzte „Menschliche Wort“ und die höchste Wahrheit, die gemäß dem Evangelium ein Mensch sagen kann. Thomas geht mit Jesus als Unwissender und erlangt bei seiner letzten Begegnung Gewissheit.
Die Abschiedsworte sind immer zentral und wichtig, sie bestimmen den weiteren Verlauf der Beziehung. Thomas ist der Brückenbauer von den Zeitzeugen und –zeuginnen zu uns. Der Glaube an den auferstandenen Jesus wird entscheidend für das Glück und die Seligkeit von uns.
Dieser letzte Satz Jesu im Johannesevangelium richtet sich vor allem uns, nicht nur an Thomas. Sind wir selig?, Glauben wir ohne zu sehen?
Jetzt nach der Feier der Osterliturgie, nach diesen dramatischen und frohen Tagen ist die Botschaft der Auferstehung ganz frisch. Glücklich alle, die diesen Glauben im Alltag bewahren: Im Leid, im Zweifel und in der Liebe.






Autor / Quelle: Mag. Neureiter Thomas
aufgewachsen in Krispl-Gaißau; wohnhaft in Oberalm; Theologiestudium; Bolivienaufenthalt; Betriebsseelsorge in Hallein; z.Z. Leiter der Sozialberatung der Caritas Salzburg. Getauft auf Thomas von Aquin, dennoch auch Nähe zum Thomas, genannt Didymus. Verheiratet, drei Buben.


Beitrag online bis 16.5.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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