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Das Innere der Kirche
Die Änderungen in der Liturgie forderten schon immer die Architektur, dabei war man früher selten zimperlich.
Die Liturgie forderte schon immer die Architektur
Die Epoche des Klassizismus war wie das Barock den mittelalterlichen Kirchengebäuden abhold, zudem forderte man aus liturgischen Gründen unter Erzbischof Colloredo neben der Einführung des deutschsprachigen Kirchengesanges auch von den Hochaltären, daß sie würdig (d. h. klassizistisch gestaltet) seien und von der feiernden Gemeinde gut gesehen werden können. Dem entsprach die Einführung von Sälen anstelle von mehrschiffigen Kirchenbauten.
Halleiner Kirche war kein Versuch
Wolfgang Hagenauer, der mit dem Salzburger Konsistorium in Fragen des Kirchenbaues von 1760 bis 1801 gut zusamenarbeitete, hatte ähnlich konzipierte Kirchenräume bereits in Großarl und Mühldorf am Inn (damals Salzburger Enklave in Bayern) verwirklicht, ehe es zum Halleiner Auftrag kam (1794 plante Hagenauer eine gleichartige Lösung auch für den Umbau in Zell am See, die aus Kostengründen nicht realisiert wurde).
Bauleitung zu Fuß
Der Architekt, der den Halleiner Bau nach eigenen Aussagen von Salzburg aus durch Fußwanderungen nach Hallein kontrollierte und führte, wählte für seinen Bau ein doppeltes architektonisches System. Der Aussenbau wirkt durch die symmetrische Reihung von hohen Bogenfenstern und Lisenen einfach, aber klar gegliedert. Lediglich die Westfassade ist durch den Mittelrisalit und flache Nischen in den Seitenachsen etwas reicher instrumentiert. Die Kirche wird von einem hohen Walmdach bedeckt, das dem Baukörper zusammen mit der erhöhten Lage seine Dominanz in der Salinenstadt bis heute sichert.
Kollegienkirche als Vorbild
Der Innenraum überrascht durch seine Weite und seine Gliederung. Die Inenmaße von 58 m Länge, 22 m Breite und 20 m Höhe verhalten sich zueinander harmonisch, annähernd wie 3:1:1. Den Raumcharakter prägen die beiden weiten, von Pendentifkuppeln überwölbten Raumeinheiten, an deren Nahtstelle durch Rundbogen geöffnete Wandpfeiler eingeschoben sind (diese erinnern an die vier triumphbogenartig durchgebildeten Pfeilerblocke in der Salzburger Kollegienkirche Fischers von Erlach). Als Widerlager der Gewölbe sind diese Pfeilier unbedingt notwendig, nicht jedoch die Art ihrer querachsialen Anordnung mit doppelten, einander zugewandten Kanzeln, die so eine bisher ungewöhnliche Symmetrie aufweisen. Die tambourlose, nur von der Wand her belichteten Kuppeln hätten ideale Flächen für die geplante Freskierung gebildet, die aber unterblieb.
Auch der Dom zu Salzburg diente als Vorbild
Anstelle von Emporen, wie sie der Vorgängerbau gehabt haben dürfte, ersetzte Hagenauer das Hauptgesims an den Längswänden durch schmale Galerien, die unmittelbar über die Seitenaltäre hinweggeführt sind. Auch der vom Altbau übernommene spätgotische Chor wurde im Inneren durch das Einfügen von vier großen Fensteröffnungen so umgestaltet, daß er an das Presbyterium des Salzburger Domes erinnert. Folgerichtig nimmt auch der Hochaltar des Louis Grenier den Domhochaltar Santino Solaris (1628) zum Vorbild, nur daß statt der sechs flankierenden Säulen in Hallein vier ausgüfuhrt wurden. Die Gestaltung der Westwand wird durch die Orgelempore bestimmt, die auf zwei dünnen Säulen ruht und gleichzeitig das Vorjoch bilden. Die Längswände sind durch Pilaster mit Kompositkapitellen bzw. durch Lisenen gegliedert. Die Aufstellung der Seitenaltare in den beiden Saaljochen folgt der strengen Symmetrie des Raumes.
Autor / Quelle: Mag. Reinhard Weidl von Dr. Adolf Hahnl
Beitrag online bis 16.2.2010 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
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