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 © Helmut Meisl

 Kolping
Diese Seite als Druckausgabe




Mehr Informationen über das großartige Projekt für Bolivien finden sie auf der Homepage von Pater Klaus Laireiter unter der Adresse www.pater-klaus.at



Bolivien - Armut und Reichtum extrem

Jugendliche der Halleiner Kolpinggruppe haben gemeinsam mit Schülern der Modeschule Hallein bei Projekten mitgemacht, die „Jugend innovativ“ unter dem Schutz des Unterrichtsministeriums ausgeschrieben hatte.

Die Jugendlichen arbeiteten über die Rolle von Freundschaft in der Gesellschaft, Tierschutz, die Stellung des Kindes in der Welt, bzw Jugendschutz, die verschiedene Sprache von Mann und Frau, die Geburtenrate, den Regenwald und Bolivien. Teilweise haben diese Jugendlichen wirklich Unbekanntes erarbeitet.

Einen Ausschnitt aus der Arbeit „Bolivien“ möchten wir unseren Lesern zugänglich machen, nämlich ein Interview mit Pater Klaus Laireiter.

Interview Pater Klaus Laireiter

Der Orden, bei dem Pater Laireiter als Styler Missionar dient, hat die Aufgabe, auch in anderen Ländern und Kontinenten das Evangelium zu verkünde. Zuerst wollte er nach Afrika gehen, wurde dann aber Internatsleiter in St. Rupert. Als das Internat nach 15 Jahren aufgelöst wurde, hatte Afrika für ihn seinen Reiz verloren, denn um eine neue Sprach zu lernen fühlte er sich zu alt. Für ein Land mit europäischer Sprache hatte er mehrere Möglichkeiten: Argentinien, Paraguay, Chile, Kolumbien, Bolivien und Brasilien. Bolivien war für ihn eine Herausforderung, da mehr als zwei Drittel der Bevölkerung reinrassige Indianer sind. Ihn interessierten ebenfalls die unterschiedlichen Klimazonen vom Regenwald im Norden bis zu den Gletschern in den Anden im Süden und die Höhenunterschiede von mehr als 6000 Metern.

Armut macht nicht edel: Der Unterschied von Arm und Reich ist in diesem Land sehr groß. Die Reichen sind die Politiker und Großgrundbesitzer. Politiker verdienen dort gleich viel wie in Österreich, machen aber durch Bestechung drei Mal so viel daraus. Auf der „armen Seite“ gibt es viele Straßenkinder, die im Hochland oftmals über Nacht bei Minusgraden erfrieren. Durch die Arbeitslosigkeit vieler Menschen steigt auch die Kriminalität: Man klaut ein Auto und schreibt Taxi drauf. Ein reicher Mann steigt ein. Der Lenker bringt diesen natürlich nicht zu seinem Bestimmungsort, sondern in eine verlassene Gegend außerhalb der Stadt. Dort wird er ausgeraubt.
Zu empfehlen ist unauffällige Kleidung, da schöne und saubere Kleidung auf Wohlstand schließen lässt. Allerdings fällt man als Europäer normalerweise auf, da die Bolivianer eher kleinwüchsig sind.
Allgemein hat die Kirche in Bolivien einen guten Ruf, da sie auf der Seite der Armen ist.

Religion: Die meisten Menschen besitzen keine Geburtsurkunde, und wer keine Geburtsurkunde besitzt, wird nicht gezählt. Deshalb ist die Religionszugehörigkeit nicht ohne weiteres feststellbar. Es werden noch immer die Erdmutter Pachamama und die Sonne Inti stark verehrt. Deshalb ist auch die Jungfrau Maria in Bolivien sehr wichtig, wichtiger als Gott. Denn als die Spanier ihnen verboten, die Pachamama zu verehren, sahen sie in Maria einen Weg dies heimlich zu tun. Am 24. Jänner wird das Fest des Egeco gefeiert. Egeco ist der Gott des Überflusses. Er wird als ganz Dicker dargestellt, der über und über mit kleinen Dingen behängt ist. Wenn etwa ein Mann im Besitz eines Transportunternehmens sich eine Schubraupe kaufen will, sich diese aber nicht leisten kann, kauft er sich eine solche in Miniaturgröße. Dann geht er am 24.1. in die Kirche und lässt sie sich weihen. Wasser ist heilig und der Mann und das Ding werden mit Wasser bespritzt. Danach geht er beim Hinterausgang wieder hinaus und holt sich mit Bier den Segen der Pachamama. Das wird von katholischen Geistlichen oft für Heidentum gehalten.
Bei neu erbauten Häusern erfolgt die Segnung durch den Priester und durch die Pachamama. Zu Ehren der Pachamama wird in jede Hausecke ein getrockneter Lamafötus gesetzt. Ähnlich werden gedörrte Kröten und Gürteltiere verwendet; diese werden von bestimmten Frauen verkauft.

Infrastruktur: Was bei uns ein Forstweg ist, ist dort schon eine recht gute Straße. Die langen Regenzeiten machen den Straßenbau ungeheuer schwierig. Überschwemmungen reißen Brücken weg. Manche Straßen sind sehr, sehr steil. Da kommt es oft zu Unfällen.
Bolivien hat ungefähr so viele Einwohner wie Österreich, ist aber 13 Mal größer.
Es gibt verhältnismäßig viele Krankenhäuser, die von verschiedenen Ländern geführt werden, vor allem in der Hauptstadt La Paz. Aber die meisten Bolivianer haben nicht genügend Geld und auch keine Krankenversicherung und werden darum nicht behandelt. Häufige Krankheiten sind Tuberkulose und Masern, im Tiefland kommen auf Grund der Sümpfe noch Malaria und Gelbfieber dazu.
Die Kindersterblichkeit ist hoch.

Schulen: Es gibt Schulpflicht, aber da viele Menschen keine Geburtsurkunde besitzen, werden sie von der Schulpflicht auch nicht erfasst.





Autor / Quelle: Angelika Dygruber, Verena Renger, Katrin Stöllinger, Christine Schnitzhofer

Beitrag online bis 10.11.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 ( - 15.08.04 - ) / 830 / 363