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 © Helmut Meisl

 Gedanken zum Sonntag
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Aus den Kinderschuhen wachsen!
Dreiecke passen nicht zu Kreisen. Zusammen gehört nur das, was zusammenpasst. So denken die Pharisäer im Evangelium: Wie kann Jesus mit Sündern essen? So denken manche von uns: Wiederverheiratete Geschiedene dürfen die Kommunion nicht empfangen! Das „Förmchen-Haus“ ist wichtig für die kindliche Entwicklung, doch aus dem Kinderspiel darf nicht bitterer Ernst werden. Christen können dann von Jesus lernen: Ich suche auch die, die noch nicht zu mir passen. Wir gehören dennoch zusammen!


Eng verbunden mit den Begriffen eines leidenden und eines werdenden Gottes ist der eines sich sorgenden Gottes – eines Gottes, der nicht fern und abgelöst und in-sich-beschlossen, sondern verwickelt ist in das, worum er sich sorgt.

Hans Jonas

12. September 2004 - 24. Sonntag im Jahreskreis

Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet.

Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir!

In den drei Gleichnissen wird ganz selbstverständlich von „Sündern“, „Verlorensein“ und „Umkehr“ gesprochen. Solche Worte kommen uns heute nicht mehr so glatt über die Lippen, aber die dahinter stehenden Erfahrungen und Fragen bedrängen Menschen zu allen Zeiten. Wie gehen wir mit unseren Fehlern und Schwächen um? Wie verarbeiten wir Erfahrungen von Schuld?
Jesu Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ spricht Menschen an, die sich ihre Verfehlungen immer wieder vorhalten, bis sie wie eine Smogdecke auf ihr Leben drücken und ihnen die Luft zum befreiten Atmen und Handeln nehmen. Ein solcher Umgang mit den eigenen Fehlern kann – wie beim verlorenen Sohn – zu einer Form von Stolz führen, der kein Mitleid und keine großmütige Vergebung mehr an sich heran lässt: Meine Schuld ist zu groß. Ich verdiene es nicht mehr, meines Vaters Sohn zu sein.

Aber der Leidensdruck ist groß genug, dass er wenigstens als Tagelöhner die Heimkehr wagt – und dann geradezu überrumpelt wird von der unendlichen Freude seines Vaters. Das Festgewand, der Ring, das Mastkalb, Musik und Tanz: Das alles muss tief beschämend gewesen sein für den Sohn. Aber gerade weil er die Barmherzigkeit des Vaters an sich heranlassen konnte, war es auch zutiefst erlösend und befreiend. Er konnte sich einlassen auf das Fest, weil es seine Schuld, sein „Verlorensein“, nicht verleugnete, sondern aufhob in der Gewissheit, deswegen nicht weniger der geliebte Sohn zu sein.





Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen - Hans Reithofer

Beitrag online bis 9.10.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (9.9.04 - 16.09.04 - ) / 875 / 212