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Die Alterspyramide in Österreich hat einen Bauch. Fettleibigkeit ist eine der häufigsten Ursachen von Herzinfarkt. Das lässt sich durchaus auf die Gesellschaft übertragen.
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Unnütze Esser?
Noch im 16. und 17. Jahrhundert hatten wir ein Bild des Alters und des alten Menschen, der ein unnützer Esser war, ein Überflüssiger, ein nichtsnutziger Mensch. Das haben wir überwunden. Es war ein schwieriger Prozess. Man hat den Eindruck, dass jetzt wieder eine Entwicklung einsetzt, die das alles zurückdreht. Die Pensionisten bedrohen nicht unsere gesellschaftliche Substanz. Das ist ein völlig falsches Menschenbild.
„Überalterung“ nein, „Unterjüngung“ ja!
Hören wir doch auf, von „Überalterung“ zu reden! Der demografische Wandel, den so viele heute beklagen, ist nicht durch längere Lebenserwartung der Alten, sondern durch die Kinderlosigkeit der Jungen ausgelöst. Unsere heutigen Seniorinnen und Senioren hatten vielfach drei und mehr Kinder, – und das trotz Krieg und Nachkriegszeit, trotz Hungers- und Wohnungsnot. Sie kriegten ihre Kinder anständig ins Leben ohne Lehrlings-Gehalt und sonstige Förderungen. Die Ausbildung mussten sie selbst bezahlen. Von den 1950 geborenen Frauen blieben nur 11 Prozent kinderlos, von den 1960 Geborenen sind es bereits 22 Prozent und von den 1965 Geborenen werden nach Hochrechnungen sogar 35 Prozent und mehr kinderlos bleiben.
Die Alten und die Jungen
„Unverständlich sind uns die Jungen“, wird von den Alten beständig gesungen. Meinerseits möchte ich’s damit halten: „Unverständlich sind mir die Alten.“ Dieses am Ruder bleiben Wollen in allen Stücken und allen Rollen, dieses sich unentbehrlich Vermeinen, samt ihrer „Augen stillem Weinen“. Als wäre der Welt ein Weh getan – ach, ich kann es nicht verstahn. Ob unsre Jungen, in ihrem Erdreisten, wirklich was Besseres schaffen und leisten, ob dem Parnasse sie näher gekommen, oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen, ob sie, mit andern Neusittenverfechtern, die Menschheit bessern oder verschlechtern, ob sie Frieden sä’n oder Sturm entfachen, ob sie Himmel oder Hölle machen – EINS lässt sie stehn auf siegreichem Grunde: Sie haben den Tag, sie haben die Stunde. Der Mohr kann gehen, neu Spiel hebt an; sie beherrschen die Szene, sie sind dran.
Theodor Fontane
Autor / Quelle: Bergmoser + Höller Verlag Aachen
Beitrag online bis 31.12.2004 (danach über Archiv weiterhin abrufbar)
P 5 (31.10.04 - 14.11.04 - ) / 911 / 1375
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